Adobe in Gemini, Acrobat in Claude: Photoshop per Chat für Solos

Seit 24. September stecken Photoshop, Lightroom, Express und Firefly in Gemini, Claude bekommt Acrobat dazu. Was Solo-Creator damit machen können.

Cover zu Adobe in Gemini und Claude: Photoshop per Chat für Solo-Creator
Bildbearbeitung wird von einer Fähigkeit zu einer Beschreibung.

Photoshop ohne Photoshop zu öffnen. Das ist seit 24. September 2026 kein Werbeslogan mehr, sondern ein Menüpunkt in Gemini.

Adobe hat an diesem Tag zwei Dinge gleichzeitig ausgerollt: eine neue Adobe-App direkt in Google Gemini (mit Werkzeugen aus Photoshop, Lightroom, Express und Firefly) und ein deutlich größeres Adobe-Plugin für Claude, das jetzt über 80 Werkzeuge mitbringt. Für Solo-Creator in Österreich und im restlichen DACH-Raum heißt das: ein Teil der Bildbearbeitung wandert vom Programm in den Chat.

Hier liest du, was konkret geht, wo die Haken sind und für welche Aufgaben ich das als Videograf einsetzen würde (und für welche nicht).

Was Adobe am 24. September ausgerollt hat

Zwei Integrationen, zwei unterschiedliche Tiefen.

In Gemini ist Adobe Teil der neuen Welle an Connected Apps, die Google am 23. September angekündigt hat. Laut Adobe stecken Werkzeuge aus vier Programmen drin:

  • Photoshop (Licht und Farbe verbessern, zuschneiden)
  • Lightroom (einheitlicher Look über mehrere Fotos)
  • Express (Vorlagen anpassen, ein Design auf mehrere Social-Formate umbauen)
  • Firefly (generative Bildelemente)

Aktivieren geht über die Einstellungen unter Connected Apps oder direkt im Chat mit einem @-Mention. Adobe beschreibt den Einstieg über „Personal Intelligence“, das es laut Google im EWR, also auch in Österreich, derzeit nicht gibt. Ob Adobe bei dir schon auftaucht, siehst du in den Gemini-Einstellungen unter „Verbundene Apps“ (so heißt Connected Apps auf Deutsch). Adobe schreibt, dass die Integration auf allen Gemini-Plänen läuft, also auch ohne bezahltes Abo.

In Claude war Adobe schon seit Ende April als Connector da, mit über 50 Werkzeugen aus Photoshop, Premiere, Lightroom und Co. Neu ist vor allem Acrobat, damit sind es jetzt über 80 Werkzeuge aus Acrobat, Express, Photoshop, Illustrator, Premiere, Lightroom, InDesign und Adobe Stock. Dazu ein interaktiver PDF-Editor, ein Ebenen-Editor für Express-Designs (Bild, Text, Farben und Schriften einzeln ändern), Schwärzen von sensiblen Daten und ein neuer Skill namens Document Review, der Dokumente analysiert und Anmerkungen direkt hineinschreibt. Das Ganze funktioniert in Claude und Claude Code, am Desktop, im Browser und am Handy.

Der Haken: Account, Sprache, Limits

Klingt nach Gratis-Photoshop. Ist es nicht ganz.

  • Adobe-Account: Die Quellen widersprechen sich. Adobe selbst nennt den Login als Teil des Setups, an anderer Stelle heißt es, man könne auch ohne starten. Bei Claude ist es klarer: Gastzugang geht, mit Login gibt es höhere Limits und mehr Werkzeuge. Ein kostenloser Adobe-Account reicht zum Anmelden.
  • Sprache und Konto: Laut Googles Verfügbarkeitstabelle läuft die Adobe-App nur auf Englisch, nur mit privatem Google-Konto und erst ab 18. Von den 14 neuen Gemini-Apps sind außer Adobe nur monday.com und Wispr AI weltweit gelistet, der Rest nur in den USA oder in Indien. Heißt für uns: Prompts auf Englisch schreiben, sonst greift die App womöglich gar nicht.
  • Limits: Wie viele Bearbeitungen drin sind, sagt Adobe nirgends konkret. Nur, dass es je nach Account-Typ variiert.
  • Datenschutz: Wie lange Adobe hochgeladene Bilder speichert und ob sie ins Training fließen, steht in den Ankündigungen nicht. Kundenfotos mit Gesichtern würde ich da nicht blind reinwerfen.

Mein Take: Das ist kein Ersatz für ein Creative-Cloud-Abo. Es ist ein Werkzeugkasten für die schnellen 80 Prozent.

Wofür ich das als Videograf einsetzen würde

Ich arbeite seit rund 10 Jahren als Videograf, drehe Hochzeiten und Firmenvideos mit iPhones als Produktionskameras. Aus Videografen-Sicht frisst oft nicht der Schnitt die meiste Zeit, sondern der Kleinkram drumherum. Genau dort passt so eine Chat-Integration.

Konkrete Aufgaben, für die ich das ausprobieren würde (bewusst im Konjunktiv, getestet hab ich es noch nicht):

  • Thumbnail-Varianten: Ein Standbild aus dem Video hochladen, Licht und Farbe angleichen lassen, dann eine Version für YouTube, eine quadratische für den Feed und eine hochformatige für Stories.
  • Ein Post, drei Formate: Genau das bewirbt Adobe für Express. Das Design einmal bauen, der Chat skaliert es auf Instagram, TikTok und Facebook.
  • Behind-the-Scenes-Fotos vereinheitlichen: Zehn Handyfotos vom Dreh, ein gemeinsamer Look. Lightroom-Presets per Satz statt per Klick.
  • Angebote und Verträge als PDF (Claude): Seiten zusammenführen, Kontonummer schwärzen, bevor das PDF an den nächsten Kunden als Beispiel rausgeht.
  • Document Review auf eigene Angebote: Das eigene Angebots-PDF gegenlesen lassen, bevor es rausgeht. Zweites Paar Augen ohne zweite Person.
  • Schnelle Grafiken für LinkedIn: Vorlage in Express, Text und Farben per Anweisung in deiner Markenfarbe.

Was ich nicht machen würde: Color Grading für ein Kundenvideo, finale Retusche auf Porträts oder alles, wo jedes Pixel stimmen muss. Dafür bleibt das echte Programm.

Gemini oder Claude: welcher Weg für wen?

Kurz gesagt: Gemini für Bilder, Claude für Dokumente und Workflows.

  • Gemini hat die schlankere Adobe-Integration mit Fokus auf Foto und Social-Grafik. Wer ohnehin ein Android-Handy verwendet, hat Gemini sowieso griffbereit. Achtung: Die Adobe-App läuft nur mit privatem Google-Konto, nicht mit einem Workspace-Konto.
  • Claude hat den größeren Werkzeugkasten, inklusive Acrobat, Illustrator und Premiere-Werkzeugen. Spannend wird es in Claude Code: dort lässt sich das in wiederkehrende Abläufe einbauen, etwa jede Woche dieselbe Grafik-Serie aus neuen Texten.

Wer schon ein Claude-Abo hat, braucht nicht extra Gemini. Wer gar nichts zahlen will, kommt über jeden Gemini-Plan ran. Auch in Claude läuft der Adobe-Connector laut Adobe schon mit dem Gratis-Plan.

Was das für kleine Content-Teams bedeutet

Der eigentliche Punkt ist nicht Photoshop im Chat. Es ist die Verschiebung dahinter.

Bisher war Bildbearbeitung eine Fähigkeit. Man musste wissen, wo der Regler sitzt. Jetzt wird sie eine Beschreibung. Wer klar sagen kann, was er will (wärmer, heller, Logo unten links, Format 4:5), bekommt ein brauchbares Ergebnis.

Das senkt die Hürde für Selbstständige, die bisher alles an eine Agentur ausgelagert haben. Gleichzeitig hebt es die Latte für alle, die nur Regler schieben verkauft haben. Die Schere geht weiter auf: Handwerk allein reicht nicht mehr, Geschmack und Briefing-Fähigkeit werden wichtiger.

Mit über 500 Millionen Views auf meinen Videos hab ich eines gelernt: das Publikum merkt nicht, mit welchem Tool du gearbeitet hast. Es merkt, ob das Bild eine klare Aussage hat.

Mein nächster Schritt für dich

Probier es diese Woche mit genau einer Aufgabe aus, die dich regelmäßig nervt. Nicht mit dem Kundenprojekt, sondern mit dem Kleinkram: ein Thumbnail, ein Story-Format, ein PDF, das geschwärzt werden muss. Prompt auf Englisch, Ergebnis mit deinem bisherigen Weg vergleichen, Zeit mitstoppen.

Wenn es 10 Minuten spart, bau es in deine Woche ein. Wenn nicht, hast du 15 Minuten verloren und weißt Bescheid.

Wenn du dich mit anderen Solo-Creatorn austauschen willst, welche Workflows mit solchen Tools wirklich halten: Schau in die ContentWerk Community.

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