Claude Docs und Slides: Angebot und Pitch-Deck in einem Chat
Claude baut Angebot und Präsentation jetzt im selben Chat. Der Ablauf von Drehnotizen bis Kunden-PDF, und was in der Beta noch fehlt.
Angebot in Word, Präsentation in Keynote, die Preise zweimal abgetippt. Und irgendwann steht im Deck ein anderer Betrag als im PDF, das schon beim Kunden liegt.
Genau hier setzt das neue Claude an.
Am 16. September hat Anthropic Claude Cowork und den normalen Chat zu einem einzigen Claude zusammengelegt. Mit dabei sind zwei neue Werkzeuge: Claude Docs für Dokumente und Claude Slides für Präsentationen, beide als Beta. Hier bekommst du den Ablauf von den Notizen nach einem Kundengespräch bis zum fertigen Pitch-Deck, eine Orientierung für alle, die ihre Cowork-Sachen suchen, und eine ehrliche Liste, was noch fehlt.
Vorweg: Das ist kein Praxistest. Ich beschreibe, was Anthropic dokumentiert hat, und ordne es aus Sicht eines Videografen ein, der seit rund zehn Jahren Hochzeiten und Firmenvideos dreht.
Was sich am 16. September geändert hat
Bisher musstest du vor jeder Aufgabe entscheiden: schnelle Frage im Chat oder größerer Auftrag in Cowork. Diese Wahl fällt weg. Claude entscheidet selbst, ob eine kurze Antwort reicht oder ob es im Web sucht, Dateien liest, Code ausführt und dir eine fertige Datei zurückgibt.
Längere Aufgaben laufen laut Anthropic in der Cloud weiter, auch wenn du den Laptop zuklappst. Den Fortschritt siehst du am Handy. Einzige Ausnahme: Alles, was Dateien oder Apps auf deinem Rechner braucht, läuft nur, solange Claude Desktop offen ist.
Die Eckdaten:
- Claude Docs, Claude Slides und Claude Design (das jetzt direkt im Gespräch funktioniert) sind Beta und nur in bezahlten Plänen enthalten. Im Free-Plan gibt es sie nicht.
- Das zusammengelegte Claude rollt zuerst für Pro und Max aus, im Web, am Desktop und am Handy, verteilt über die kommenden Wochen.
- Team und Free folgen „bald", Enterprise-Admins bekommen mindestens 30 Tage Vorlauf.
- Siehst du im Eingabefeld noch die Optionen „Chat" und „Cowork", bist du noch nicht dran. Ist die Umstellung einmal da, gibt es kein Zurück zur getrennten Ansicht.
Pro kostet in den USA 20 Dollar im Monat. Anderswo rechnet Anthropic laut eigener Hilfe, wo möglich, in Landeswährung ab, teils mit Steuern im angezeigten Preis. Den Web-Preis für Österreich zeigt claude.ai/upgrade, im österreichischen App Store steht Pro mit 22 Euro im Monat und 249,99 Euro im Jahr. Eine regionale Einschränkung für Österreich nennt Anthropic beim Rollout nicht.
Schritt 1: Aus Drehnotizen wird ein Angebot in Claude Docs
Ein Beispiel: Du kommst aus einem Vorgespräch mit einer Tischlerei, die einen Imagefilm will. In deinen Notizen stehen zwei Drehtage, Werkstatt und Baustelle als Locations, ein Hauptfilm mit rund 90 Sekunden und drei Hochformat-Clips für Instagram. Dazu ein paar Stichworte, was dem Chef wichtig ist.
Vorher kurz prüfen: Unter „Settings" und „Capabilities" muss „Cloud code execution and file creation" eingeschaltet sein, sonst legt Claude kein Doc an. Dann würde ich so vorgehen:
- Notizen in den Chat werfen: abgetippt, als Datei oder direkt aus einem verbundenen Google Drive. Deine Paketliste mit Preisen kommt gleich mit.
- Das Doc anfordern, entweder mit /docs am Anfang der Nachricht oder im Eingabefeld über „Output" und dann „Docs". Etwa so: „Mach aus diesen Notizen ein Angebot für den Imagefilm. Preise nur aus meiner Paketliste, erfinde keine."
- Rückfragen beantworten. Claude stellt laut Anthropic zuerst ein paar Fragen, schreibt das Doc dann vor deinen Augen und hinterlässt Kommentare, warum es etwas so formuliert hat.
- Selbst nachbessern. Du tippst direkt ins Dokument, markierst eine Stelle und klickst „Edit with Claude", oder du schreibst @Claude in einen Kommentar.
- Wiederfinden. Jedes Doc landet automatisch im Tab „Artifacts" in der Seitenleiste, aus jedem Gespräch erreichbar.
- Exportieren: als Word-Datei, PDF, Markdown oder direkt als Google Doc.
Der wichtigste Satz im Prompt ist der mit den Preisen. Wer sein Angebot nach Paketen statt nach Stunden baut, hat diese Liste ohnehin parat (wie das geht, steht in Pakete statt Stundensatz). Die KI darf formulieren. Zahlen erfinden darf sie nie.
Schritt 2: Die Präsentation mit Claude erstellen, im selben Chat
Aus dem fertigen Doc macht Claude auf Wunsch eine Präsentation in Claude Slides. Weil beides aus demselben Gespräch kommt, übernimmt Claude Leistungsumfang und Zahlen aus dem Angebot, die Folien passen laut Anthropic also von Anfang an zum Dokument.
Eine Live-Verknüpfung gibt es allerdings nicht, zumindest beschreibt Anthropic keine. Änderst du danach im Doc einen Preis, bittest du Claude, das Deck nachzuziehen, und prüfst die Preisfolie vor dem Export selbst.
Für einen Video-Pitch würde ich Claude eine feste Struktur vorgeben, statt es raten zu lassen:
- Die Ausgangslage des Kunden, in seinen eigenen Worten
- Die Idee für den Film in zwei, drei Sätzen
- Ablauf der Drehtage
- Was am Ende übergeben wird: Hauptfilm, Hochformat-Clips, Formate
- Zwei, drei Referenzen mit Link
- Pakete und Preis, exakt wie im Angebot
- Der nächste Schritt mit Datum
Sieben Folien. Mehr braucht kein Handwerksbetrieb.
Die Folien bearbeitest du direkt, oder du hinterlässt Claude einen Kommentar auf einer einzelnen Folie. Wer einmal ein Design-System mit eigenen Farben und Schriften hinterlegt, bekommt neue Decks automatisch im eigenen Look. Fertig präsentierst du direkt aus Claude heraus oder exportierst als PowerPoint oder PDF.
Schick dem Kunden das PDF, nicht den Link
Alles aus Docs oder Slides lässt sich per Link teilen. Öffnen kann ihn aber nur, wer ein Claude-Konto hat, laut Anthropics Hilfeseite sogar bei der Freigabe für alle mit dem Link. Ein kostenloses Konto reicht zwar, anlegen muss es der Kunde trotzdem, auch bei der neuen E-Mail-Einladung für Slides (Beta).
Für die meisten Kunden ist das ein K.-o.-Kriterium. Die Tischlerei aus dem Beispiel legt sich kein KI-Konto an, um dein Angebot zu lesen. Bei Google Präsentationen funktioniert ein freigegebener Link laut Google dagegen auch ohne Anmeldung.
Mein Rat: Claude-Links nur intern oder für Partner, die selbst mit Claude arbeiten. Zum Kunden geht das PDF. Soll er die Folien selbst weiterbearbeiten, bekommt er die PowerPoint-Datei.
Für Cowork-Umsteiger: Hier liegen deine Sachen jetzt
Wer bisher in Claude Cowork gearbeitet hat, verliert laut Anthropic nichts. Chats, Projekte, Artefakte, Connectors und Skills bleiben erhalten. Einiges ist aber umgezogen (die Menünamen stammen aus Anthropics englischer Hilfe, in der deutschsprachigen Oberfläche können sie anders heißen):
- Cowork-Aufgaben stehen jetzt zusammen mit deinen Chats unter „Recents". Die Suche findet ältere Cowork-Aufgaben noch nicht, über den Namen in „Recents" findest du sie trotzdem.
- Projekte funktionieren in jedem Gespräch. Bestehende Projekte in Pro und Max laufen weiter wie bisher, Anthropic hat am 17. September aber schon einen Umbau angekündigt, der schrittweise kommt.
- Alles, was du mit Docs, Slides oder Design baust, liegt im Tab „Artifacts". Artefakte, die vor dem 16. September im Chat entstanden sind, funktionieren weiter. Neue Artefakte dieser alten Art kannst du nicht mehr anlegen.
- Connectors verwaltest du unter „Customize" und dann „Connectors". Deine Skills kommen mit und greifen in jedem Gespräch.
- Die globalen Anweisungen aus Cowork sind jetzt Teil von „Instructions for Claude" unter „Settings" und „General". Kurz prüfen, ob dort noch steht, was du willst.
- Den Schalter für die Websuche gibt es nicht mehr. Claude sucht, wenn es hilft. Für eine tiefe Recherche tippst du /deep-research.
- Der Desktop-Ordner, in den Cowork gespeichert hat, bleibt. Du findest ihn in den Einstellungen unter „Storage folder".
- Wie selbstständig Claude arbeitet, stellst du im Eingabefeld ein. „Manual" fragt vor jeder Aktion und ist Standard, „Auto" arbeitet durch, mit automatischen Sicherheitsprüfungen vor jeder Aktion.
Was im Beta-Stadium noch fehlt
Laut Anthropics eigenen Hilfeseiten fehlen derzeit:
- ein Versionsverlauf in Claude Docs. In Google Docs und Google Präsentationen holst du ältere Fassungen zurück, hier nicht.
- eine Rolle nur zum Kommentieren. Bei Docs darf jemand entweder lesen oder alles bearbeiten.
- Diagramme, die sich selbst aktualisieren. Neue Zahlen holt Claude nur, wenn du darum bittest.
- Bearbeiten am Handy. In der iOS- und Android-App kannst du Docs nur ansehen.
- Teilen per E-Mail-Einladung für Docs. In Team- und Enterprise-Plänen verlassen Docs die eigene Organisation gar nicht.
- das Verzweigen eines Gesprächs ab einer früheren Stelle.
Dazu kommt das Nutzungslimit: Längere Aufgaben mit Websuche, Code und Dateien verbrauchen laut Anthropic mehr davon als eine schnelle Frage. Deinen Stand siehst du unter „Settings" und „Usage".
Gegen PowerPoint, Canva oder Google Präsentationen tritt Claude Slides damit nicht an. Noch nicht. Es liefert einen schnellen, stimmigen ersten Entwurf, und der landet als Export ohnehin in PowerPoint oder als PDF. Wie sich Claude Design im Vergleich zu Canva schlägt, hab ich in Claude Design: Lohnt der Canva-Killer für Solos? eingeordnet.
Mein Take: Der Gewinn ist die gemeinsame Quelle, nicht die Folien
Die Folien selbst sind nicht das Spannende. Spannend ist, dass Angebot und Pitch-Deck aus derselben Quelle entstehen. Der Zeitfresser in der Angebotsphase ist aus meiner Sicht genau das Gegenteil: Jede Änderung hängt an zwei Dokumenten, und eins davon vergisst man. Nachziehen musst du Änderungen auch in Claude, aber mit einem Satz im Chat statt mit Abtippen.
Mein erster Schritt wäre simpel: Nach dem nächsten Kundengespräch die Notizen direkt in Claude kippen, Angebot als Doc, Deck daraus, PDF raus. Die Preise gibst du vor, nicht die KI. Wenn du sehen willst, wie andere Selbstständige ihre Angebote und Pitches mit KI bauen, komm in die ContentWerk Community.