DaVinci Resolve 21.1: Claude schneidet jetzt per MCP mit

Resolve Studio 21.1 hat einen MCP-Server: Claude sortiert Footage, baut Rohschnitte und rendert. Setup, drei Aufgaben und der Haken für die Gratisversion.

DaVinci Resolve 21.1 Cover: Claude schneidet per MCP mit, stilisierte Timeline mit KI-Assistent
Claude schneidet jetzt mit, aber nur, wenn du Resolve Studio gekauft hast.

Ein langes Video aus dem Media Pool nehmen, daraus einen Highlight-Schnitt von drei Minuten bauen, jeden Schnipsel unter einer Sekunde rauswerfen und das Ganze als H.265 zur Abnahme rendern. Klingt nach einem Auftrag an den Praktikanten. Laut Digital Production ist es das Beispiel, mit dem Blackmagic selbst zeigt, was Claude seit DaVinci Resolve 21.1 im Schnittprogramm erledigen soll.

Der Haken steht in den Release Notes. Das Ganze gibt es nur in Studio, und wer bisher mit der Gratisversion und eigenen Python-Skripten gearbeitet hat, verliert mit dem Update genau diese Skripte.

Ich bin seit rund zehn Jahren Videograf, filme Hochzeiten und Firmenvideos, und aus dieser Sicht ist das die spannendste Resolve-Neuerung seit Langem. Einen eigenen Test hab ich noch nicht gemacht. Deshalb bekommst du hier keine Jubelarie, sondern das, was belegt ist: was der MCP-Server kann, wie die Einrichtung grob abläuft, drei Aufgaben, die ich als Erstes abgeben würde, und meine Rechnung, ob sich Studio jetzt lohnt.

Was Blackmagic am 8. September eingebaut hat

Blackmagic Design hat DaVinci Resolve 21.1 am 8. September veröffentlicht, kurz vor der IBC in Amsterdam (11. bis 14. September). Das Update ist kostenlos und bringt laut Pressemitteilung über 100 neue Werkzeuge und Einstellungen.

Die Neuerung, über die alle reden: Resolve Studio hat jetzt einen eingebauten MCP-Server. Unterstützt werden laut Blackmagic Claude, Claude Code und ChatGPT Codex. Was MCP grundsätzlich ist, hab ich in MCP einfach erklärt aufgeschrieben. Kurz gesagt: Die KI redet nicht mehr nur über dein Projekt. Sie drückt selbst die Knöpfe.

Laut Blackmagic kann der Assistent Projekte analysieren, Medien organisieren, Einstellungen ändern und Batch-Renderings anstoßen, alles in normaler Sprache. Was wirklich geht, bestimmt laut CineD die Scripting-Schnittstelle darunter, und die hat laut Blackmagic 20 neue Befehle bekommen. Was davon für Solo-Creator zählt:

  • Transkriptionen von Clips im Media Pool abrufen, inklusive Sprechererkennung und Zeitmarken
  • Multicam-Clips anlegen, wieder in normale Clips auflösen (Flatten) und SmartSwitch auslösen
  • Clips in der Timeline automatisch ausrichten, Audio normalisieren, Blenden und Tempowechsel setzen
  • Render-Presets aktualisieren und in den Quick Export legen

Nebenbei gibt es eigene HDR-Trims für Dolby Vision, HDR10+ und HDR Vivid, Kamerasteuerung auf der Photo Page für Kameras von Fujifilm und Leica sowie die Sony Alpha 7R VI und über 25 neue Fusion-Werkzeuge. Für die meisten Solo-Creator ist das Beiwerk, anders als die KI-Werkzeuge aus Resolve 21.

Einrichten: sechs Schritte, bevor Claude irgendwas anfasst

Der grobe Ablauf, zusammengesetzt aus Blackmagics Release Notes und dem Bericht von Digital Production:

  • Backup zuerst. Projekte, die du in 21.1 erstellst oder öffnest, gehen in Resolve 20.3.2 nicht mehr auf. Blackmagic empfiehlt, vorher die ganze Projektbibliothek und die einzelnen Projekte zu sichern.
  • Resolve Studio 21.1 installieren. Das Update verlangt einen Studio-Dongle, eine Blackmagic-Cloud-Lizenz oder einen Aktivierungscode. Am Mac läuft 21.1 nur auf Apple Silicon ab macOS 15.
  • Assistenten wählen: Claude, Claude Code oder ChatGPT Codex. Hier kann doch ein Abo dazukommen: Claude Code gibt es laut Anthropic erst ab dem bezahlten Pro-Plan (20 Dollar im Monat bei monatlicher Zahlung). Die Claude-Desktop-App bindet Erweiterungen auch im Gratisplan ein, dann mit engeren Nutzungslimits.
  • In Resolve die Verbindung herstellen, in der englischen Oberfläche über File → Setup AI Assistants (auf Deutsch im Menü Datei). Danach gibst du Aufträge ganz normal im Chatfenster deines Assistenten.
  • In den Einstellungen festlegen, mit welchen Medien die KI-Werkzeuge arbeiten. Neu ist eine Option, die auf Proxys ausweicht, wenn die Originale offline sind. Praktisch am Laptop, wenn die externe Platte daheim liegt.
  • Die ersten Aufträge an einer Projektkopie ausprobieren. Das rät auch CineD, bevor irgendwas davon in die Nähe eines Kunden kommt.

Warum ich auf der Kopie so herumreite: Digital Production weist darauf hin, dass Blackmagic bisher nicht erklärt, wie Berechtigungen, Schutz vor zerstörerischen Aktionen und Protokolle geregelt sind. Ein „räum mal das Projekt auf" kann also mehr aufräumen, als dir lieb ist.

Aufgabe 1: Footage sortieren, bevor du es sichtest

Medien organisieren nennt Blackmagic ausdrücklich als Einsatzzweck. Für mich ist das der beste Einstieg, weil nichts kaputtgeht, wenn der Assistent danebengreift.

So würde ich den Auftrag formulieren: „Leg für jeden Drehtag einen eigenen Bin an, sortier die Clips nach Kamera ein und markier alles, was kürzer als zwei Sekunden ist." Ob jeder Teil davon sauber klappt, hängt an der Schnittstelle. Genau das würde ich an der Kopie testen.

Richtig interessant wird es bei Multicam. Ich setze iPhones als echte Produktionskameras ein, bei manchen Jobs laufen mehrere gleichzeitig. Wer so dreht, kennt die Fleißarbeit danach: Clips zuordnen, synchronisieren, Multicam-Clip bauen. Die neuen Befehle zum Erstellen von Multicam-Clips und zum automatischen Ausrichten sind genau für diesen Teil gebaut. Das wäre der erste Job, den ich abgeben würde.

Aufgabe 2: Highlight-Rohschnitt aus einem langen Video

Das ist Blackmagics eigenes Paradebeispiel, und hier greifen die neuen Befehle ineinander: Transkript mit Sprechern und Zeitmarken, unerwünschte Clips entfernen, Ansichtskopie rendern. CineD sieht darin genau das Werkzeug, mit dem du einen Interview-Rohschnitt samt Ansichtskopie per Satz in Auftrag gibst.

Für Selbstständige heißt das: Podcast-Folge, Webinar, Livestream oder Kundeninterview rein, Rohfassung für einen Zusammenschnitt oder für Shorts raus.

Ein Auftrag könnte so klingen: „Nimm das Interview aus dem Bin Rohmaterial, bau daraus einen Highlight-Schnitt von maximal drei Minuten mit den stärksten Aussagen, wirf alle Schnitte unter einer Sekunde raus und render eine H.265-Ansichtskopie."

Mein Take: Was da rauskommt, ist ein Rohschnitt. Kein fertiges Video. Welche Aussage trägt, welcher Lacher bleibt und wo der Hook sitzt, entscheidest weiter du. Über 500 Millionen Views haben mir vor allem eins beigebracht: Die ersten Sekunden entscheiden, ob jemand bleibt. Die würde ich keiner KI überlassen, den Weg dorthin aber sehr gern.

Aufgabe 3: ein Export-Auftrag für YouTube und Reels

Das dritte Beispiel von Blackmagic: Deliverables rendern, auch im Batch. Mit den neuen Befehlen kann der Assistent Render-Presets aktualisieren und in den Quick Export legen.

Die Vorarbeit machst du einmal selbst. Je ein Preset für YouTube im Querformat und eins für Reels im Hochformat, mit Einstellungen, die auf den Plattformen nicht matschig werden (welche das sind, steht in meinem Artikel über Export-Einstellungen). Danach reicht ein Satz: „Render die Timelines YouTube und Reels mit meinen Presets und leg die Dateien in den Ordner Upload."

Eine Einschränkung: Ob der Assistent auch von 16:9 auf 9:16 umformatiert, sagt Blackmagic nicht. Ich würde nicht davon ausgehen und die Hochformat-Timeline weiter selbst bauen.

Pro Video ist der Gewinn klein. Bei wöchentlichen Uploads summiert er sich aber übers Jahr.

Der Haken für alle mit der Gratisversion

Zwei Dinge landen ab 21.1 hinter der Bezahlschranke. Der MCP-Server steht nur in den Release Notes der Studio-Version, CineD bestätigt: nur Studio. Das zweite ist heikler. Advanced Scripting braucht jetzt Studio, und Python 2 fliegt komplett raus.

Blackmagic begründet das in den Release Notes der Gratisversion ungewöhnlich offen. Über die Python-Schnittstelle seien Studio-Funktionen in die Gratisversion gehackt worden, und Resolve finanziere sein Entwicklerteam über Studio-Lizenzen. Monatsabos, die deine Arbeit wegsperren, sobald du nicht mehr zahlst, will Blackmagic ausdrücklich nicht.

Was das praktisch heißt: Laut den Release Notes der Gratisversion ist Python-Scripting komplett zu Studio gewandert. Digital Production zufolge bleibt die Scripting-Konsole in der Gratisversion zwar offen, externer Zugriff, UIManager und Workflow Integrations brauchen aber Studio. Wer ganz legitime Python-Skripte für Batch-Aufgaben von außen gestartet hat, muss also zahlen, sonst laufen sie laut CineD nicht mehr.

Lohnt sich Studio jetzt als Einmalkauf?

Die Zahlen für Österreich: Blackmagic nennt auf der österreichischen Website 255 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer als Preisempfehlung, mit 20 Prozent also rund 306 Euro. Im Handel war Studio laut Geizhals am 24. September ab rund 273 Euro zu haben (USB-Dongle), die Variante mit Aktivierungscode ab rund 276 Euro. Kein Abo, keine Monatsgebühr, Updates wie 21.1 kosten nichts extra. Der Dollarpreis liegt laut CineD weiter bei 295 Dollar.

Wer den MCP-Server erst ausprobieren will: Blackmagic vermietet Studio-Lizenzen über Blackmagic Cloud auch an Einzelpersonen, aktiviert per Cloud-ID ohne Dongle.

Meine Einschätzung, je nachdem, wo du gerade stehst:

  • Du schneidest mit der Gratisversion und bist zufrieden: Bleib dabei. Der MCP-Server allein rechtfertigt keine 300 Euro, solange du ihn nicht jede Woche brauchst.
  • Du hattest Python-Skripte in der Gratisversion laufen: Dann ist die Entscheidung eigentlich schon gefallen.
  • Du machst jede Woche Langform und schneidest Clips daraus: Hier würde ich kaufen. Sortieren, Rohschnitt und Export sind genau die Arbeit, die sich jede Woche wiederholt.
  • Du drehst Multicam mit mehreren Kameras oder iPhones: Kaufen, sobald erste Praxistests zeigen, dass das automatische Anlegen sauber klappt.
  • Du lieferst für Kunden in HDR: Dann hast du Studio vermutlich schon, und 21.1 ist ein Gratis-Geschenk.
  • Dein Mac hat nur 8 GB Arbeitsspeicher: Resolve läuft, die fortgeschrittenen KI-Werkzeuge verlangen laut Blackmagic aber mindestens 16 GB. Ob der MCP-Server davon betroffen ist, sagt Blackmagic nicht. Vor dem Kauf mit der Gratisversion testen, wie flüssig dein Rechner ist.

Mein Urteil in einem Satz: Mit dem MCP-Server wird Studio zum besten Einmalkauf für Solo-Creator, die jede Woche dieselbe Fleißarbeit schneiden, und für alle anderen bleibt die Gratisversion mehr als genug. Wenn du wissen willst, wie andere Selbstständige ihre Schnitt-Workflows gerade mit KI umbauen, komm in die ContentWerk Community.

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