LinkedIn Creator-Suche für Marken: Was Solos jetzt vorbereiten
LinkedIn testet eine Creator-Suche, mit der Marken nach Branche und Publikum filtern. Noch nicht in Österreich, aber deine Vorbereitung beginnt jetzt.
63 Prozent der B2B-Käufer verlassen sich bei der Recherche früh im Kaufprozess auf Creator. Nicht nur auf Vertriebsleute. Nicht nur auf Produktseiten. Diese Zahl stammt von LinkedIn selbst, und LinkedIn baut gerade das passende Werkzeug dazu: eine Suchmaschine, mit der Marken Creator nach Branche, Job-Funktion und Publikum filtern.
Hier erfährst du, was LinkedIn am 28. September angekündigt hat, warum es in Österreich noch nicht freigeschaltet ist und welche sechs Dinge du trotzdem jetzt an deinem Profil ändern solltest.
Was LinkedIn gerade testet
Seit Juni 2026 gibt es den LinkedIn Creator Marketplace. Marken finden dort Creator direkt im Campaign Manager, also genau dort, wo sie auch ihre Werbebudgets verwalten. Neu ist jetzt eine Beta-Funktion namens Creator Discovery. Sie ergänzt die bisherige Suche nach Thema und Fachgebiet um deutlich feinere Filter.
Marketer können damit filtern nach:
- Content-Typ (Video, Text, Dokumente)
- Branche und Job-Funktion des Creators
- Demografie des Publikums, also wer dir tatsächlich folgt
- Top-Voice-Status
Die allgemeine Verfügbarkeit erwartet LinkedIn laut eigener Aussage Anfang 2027. Die Begründung liefert die Plattform gleich mit: Käufer wollen nicht nur Produkt-Pitches, sie wollen Bestätigung von glaubwürdigen Fachleuten mit echter Erfahrung.
Das ist der Kern. Nicht Reichweite. Glaubwürdigkeit.
Der Haken: Österreich ist noch nicht dabei
Jetzt die ehrliche Einordnung. Der Marketplace läuft aktuell nur in den USA und Kanada, nur mit englischsprachigen Inhalten und nur auf Einladung. Einen Termin für Europa hat LinkedIn nicht genannt. Schon zum Start im Juni hat ein Sprecher lediglich weitere Regionen „in den kommenden Monaten" in Aussicht gestellt.
Erfahrungsgemäß kommen solche Funktionen mit Verzögerung in die EU. DSGVO und Digital Services Act machen das langsamer, manchmal um Monate, manchmal um mehr.
Also abwarten? Nein.
Mein Take: Wer erst sein Profil aufräumt, wenn der Marketplace in Wien, Graz oder Linz freigeschaltet wird, steht in der Suche hinter allen, die es vorher gemacht haben. Die Filter verraten dir heute schon, wonach Marken morgen suchen. Das ist ein seltener Vorteil. Greif zu.
Was Marken in DACH schon heute buchen können
Ganz leer ist das Regal nicht. Zwei Formate funktionieren bereits außerhalb Nordamerikas:
- Thought Leader Ads: Unternehmen bewerben Posts von Einzelpersonen, mit deren Freigabe. LinkedIn nennt dafür eine um 252 Prozent höhere Klickrate als bei Standard-Bildanzeigen.
- BrandLink: Video-Werbung neben Premium-Inhalten. Laut LinkedIn 130 Prozent höhere Video-Completion-Rate als klassische In-Feed-Anzeigen. Organische Discovery und Self-Serve-BrandLink sind weltweit verfügbar.
Für dich als Solo heißt das: Wenn ein Kunde oder eine Marke deinen Post pusht, brauchst du keinen Marketplace. Du brauchst einen Post, der es wert ist.
6 Dinge, die du jetzt an deinem Profil änderst
Die Filter der Creator Discovery sind im Grunde eine Checkliste. Ich übersetze sie dir.
- Branche in die Headline. „Content Creator" allein filtert niemand. „Video für Steuerberater und Kanzleien" schon. Marken suchen nach Branche, also schreib sie hin.
- Job-Funktion klar benennen. Bist du Videograf, Texter, Berater? Eine Rolle. Nicht fünf mit Schrägstrichen.
- Einen Content-Typ dominant machen. Wenn du Video machst, dann poste Video. Regelmäßig. Ein Profil, das zwischen Karussell, Textpost und Umfrage springt, landet in keinem Filter sauber.
- Dein Publikum kennen. Schau in deine Follower-Statistik: Branchen, Positionen, Standorte. Wenn dir dort nur Studierende und andere Creator folgen, weißt du, warum keine Marke anruft.
- Saves und Sends beobachten. LinkedIn zeigt diese Werte seit September 2025 in den Post-Analytics. Gespeichert wird, was nützlich ist. Weitergeschickt wird, was jemand seinem Chef zeigen will. Genau das ist B2B-Glaubwürdigkeit in Zahlen.
- Dein Creator-Profil ernst nehmen. LinkedIn meldet für 2021 bis 2025 ein Plus von 90 Prozent bei Nutzern, die „Creator" in ihr Profil schreiben. Das Label allein reicht also bald nicht mehr. Ein festes Thema, der Featured-Bereich und ein klarer Link zu deinem Angebot schon.
Warum Video hier den Unterschied macht
Ich produziere seit rund zehn Jahren Videos, für Hochzeiten, für Firmen, für meinen eigenen YouTube-Kanal videowien. Insgesamt sind es über 500 Millionen Views. Eine Sache hat sich in dieser Zeit nie geändert: Menschen vertrauen Gesichtern schneller als Logos.
LinkedIn weiß das auch. Die Videoansichten auf der Plattform sind laut LinkedIn im Jahr 2024 um 36 Prozent gewachsen, auf rund 154 Milliarden. Dazu kommt der vollflächige Video-Feed zum Durchwischen, seit Februar 2025 auch am Desktop.
Wenn Marken also nach „glaubwürdigen Fachleuten" suchen, dann haben aus meiner Sicht Menschen einen Vorsprung, die man sehen und hören kann. Ein 60-Sekunden-Video, in dem du ein Problem deiner Branche erklärst, sagt mehr über deine Expertise als zehn Textposts mit Emoji-Aufzählung.
Du brauchst dafür kein Studio. Ein iPhone, ein Ansteckmikro, ein Fenster als Licht. Das reicht. Ich drehe auch bezahlte Kundenprojekte mit iPhones, weil die Qualität längst passt.
Was ich bis 2027 mit der Zeit machen würde
Rechne nicht mit einem Stichtag. Rechne mit einem Vorsprung.
Ich würde jetzt drei Monate lang konsequent einen Content-Typ und ein Thema bespielen. Danach Saves und Sends vergleichen. Die Posts mit den meisten Saves werden zu deinem Featured-Bereich. Und wer Kunden hat, fragt sie aktiv, ob sie einen deiner Posts als Thought Leader Ad bewerben wollen. Das ist die ehrlichste Form von Social Proof, die LinkedIn derzeit anbietet.
Mehr zu LinkedIn-Reichweite findest du in meinem Beitrag über LinkedIn-Reach jenseits der Follower und über Collab-Posts für doppelte Reichweite.
Der Marketplace kommt irgendwann auch nach Österreich. Die Frage ist nur, ob dein Profil dann schon wie ein Suchtreffer aussieht. Wenn du das gemeinsam mit anderen Selbstständigen angehen willst, die ihren Content selbst produzieren: Komm in die ContentWerk Community.
---