iPhone 18 Pro Blende: So stellst du sie zum Filmen richtig ein
Die variable Blende im iPhone 18 Pro ist kein Bokeh-Feature. Welche der vier Stufen du wann einstellst und wann du trotzdem einen ND-Filter brauchst.
Fast jeder Bericht zum iPhone 18 Pro verkauft die neue Blende als Bokeh-Maschine. Mehr Hintergrundunschärfe, endlich wie eine echte Kamera.
Das ist genau verkehrt herum.
Ein Handy-Objektiv stand seit dem allerersten iPhone permanent ganz offen. Offen konnte es also schon immer. Neu ist, dass es jetzt zumachen kann. Und das ist beim Filmen viel mehr wert als jedes Bokeh.
Ich dreh Hochzeiten und Firmenvideos mit iPhones und hab zum 18 Pro zwei Videos gemacht, für die ich zwölf Reviews gegen meine eigenen Berechnungen gehalten hab. Hier ist die Kurzfassung als Praxis-Guide: welche Blende du wann einstellst, und wann du trotzdem einen Filter brauchst.
Was die Blende beim iPhone 18 Pro wirklich kann
Die Hauptkamera hat jetzt eine mechanische Iris mit sechs Lamellen und vier festen Stufen:
- f/1.48 (ganz offen)
- f/1.8
- f/2.8
- f/4 (ganz zu)
Das sind knapp drei Blendenstufen, rund siebenmal so viel Licht zwischen offen und zu. Die anderen Kameras (Ultraweitwinkel, Tele, Front) haben keine variable Blende.
Wichtig für den Alltag: Manuell steuerst du die Blende über die neuen Pro Controls in der Standard-Kamera-App. Während einer laufenden Aufnahme lässt sie sich dort nicht verstellen. Du wählst vorher, dann drückst du auf Aufnahme.
Vergiss das Bokeh: Auf so einem kleinen Sensor tut sich da wenig
Rechenbeispiel aus meinem ersten Video: Du stellst auf eine Person in 4 Metern Entfernung scharf. Bei f/1.48 ist ungefähr alles ab 2 Metern bis unendlich scharf. Bei f/4 rückt die vordere Grenze auf etwa 1 Meter heran. Das ist der gesamte Unterschied.
Der Grund ist die Sensorgröße. Die Hauptkamera hat in Wahrheit eine Brennweite von rund 7 Millimetern, die „24 mm" auf dem Datenblatt beziehen sich aufs Kleinbild-Äquivalent (so hat es Fstoppers nachgerechnet). The Verge kommt darauf, dass f/1.8 am iPhone bei der Schärfentiefe ungefähr f/5.6 an einer Vollformatkamera entspricht. Und f/4 liegt dann grob bei f/14.
Heißt für dich: Hintergrundunschärfe kommt weiter aus der Software, aus dem Kinomodus oder aus der Post. Für einen unschärferen Hintergrund zahlst du den Aufpreis nicht.
Der echte Grund für die Blende: deine Verschlusszeit
Kurz die Regel, falls du sie noch nicht kennst: Beim Filmen soll die Verschlusszeit etwa doppelt so schnell sein wie deine Bildrate. Bei 25 Bildern pro Sekunde also 1/50 Sekunde. Das nennt man 180-Grad-Regel, und sie sorgt für natürliche Bewegungsunschärfe. Ein Auto, das durchs Bild fährt, verwischt dann so, wie es auch dein Auge wahrnimmt.
Das Problem bisher: Mit fix offener Blende war das Bild bei hellem Licht und 1/50 schnell zu hell. Also hat das iPhone die Verschlusszeit hochgedreht. Belichtung stimmt, Bewegung ruckelt wie eine Diashow.
Jetzt kannst du die Blende schließen und die Verschlusszeit behalten. Das ist das Feature.
Welche Blende wann: meine Praxis-Einstellungen
Wenn du die Pro Controls aufmachst, würde ich es so halten:
- f/1.8 als Standard. Auf diesem Wert parkt auch die Automatik fast immer, und genau den hatte das 17 Pro fix eingebaut.
- f/2.8, wenn es auf maximale Schärfe ankommt. Produktaufnahmen, Landschaften, alles, was stillhält. In PetaPixels Ziegelwand-Test war f/2.8 die schärfste Stufe.
- f/4, wenn es drinnen zu hell für 1/50 wird. Kirche mit großen Fenstern, Location bei Tageslicht, Dämmerung draußen. Genau hier sparst du dir künftig oft den Filter.
- f/1.48 nur, wenn die Alternative Nachtmodus wäre. Es ist die weichste Stufe, vor allem in den Ecken. Dafür bringt sie rund eine halbe Blendenstufe mehr Licht als f/1.8.
Im Video fällt die Randunschärfe von f/1.48 übrigens weniger auf als im Foto. PetaPixel hält in 4K den gesamten Bereich für brauchbar. Wenn du die Wahl hast, bleib trotzdem bei f/1.8.
Stirbt der ND-Filter? Nein. Hier ist die Rechnung.
Unter dem Fstoppers-Video zur Blende haben Hunderte Kommentare genau das gefeiert: endlich f/4, endlich natürliche Bewegungsunschärfe ohne Filter. Die Antwort ist trotzdem eindeutig. Draußen bei Sonne brauchst du den Filter weiter.
Für 1/50 Sekunde bräuchtest du in praller Sonne ungefähr f/19. Das iPhone schließt auf f/4. Da fehlt einiges.
Fstoppers hat es dann praktisch getestet, und zwar unter einer Wolkendecke. Für die richtige Belichtung bei 1/50 wäre f/8 nötig gewesen. Bei f/4 war das Bild zwei Blendenstufen zu hell, selbst auf niedrigstem ISO. Und das war der dunkle Moment, bevor die Sonne rauskam.
Wo die Blende den Unterschied macht, ist alles dazwischen. Innenräume, Trauungen in hellen Kirchen, Empfänge, Dämmerung. Bisher bist du dort genau an der Grenze gestanden, ab der ein Filter nötig war. Jetzt schließt du auf f/4 und bist wieder bei 1/50.
Noch ein Vorteil: Wenn du draußen mit variablem ND arbeitest, reicht dir jetzt oft ein einzelner statt zwei gestapelter. Weniger Glas vor der Linse heißt weniger Reflexe, und weniger Risiko für das hässliche X-Muster, das billige Vario-NDs bei starker Einstellung ins Bild zeichnen.
Warum Apple bei f/4 aufhört
Weil ein kleines Loch vor einem kleinen Sensor ein physikalisches Problem hat: Beugung. Licht, das an einer engen Öffnung vorbeistreift, fächert sich auf. Jeder Lichtpunkt verschmiert zu einem kleinen Scheibchen, und je kleiner die Öffnung, desto größer der Fleck.
Auf einer Vollformatkamera bleibt dieser Fleck im Vergleich zu den Pixeln klein. Am iPhone nicht. Nach meiner Rechnung wäre der Beugungsfleck bei f/16 rund 18 Pixel breit. Das Bild wäre sichtbar weich, und Apple müsste sich einen Sturm aus „mein iPhone macht unscharfe Fotos" anhören. Also ist bei f/4 Schluss.
Sonnensterne und ein neuer Geist im Bild
Sechs Lamellen bedeuten: Punktlichter bekommen Strahlen, und Unschärfekreise werden sechseckig. Ob das ein Feature ist, hängt von dir ab. Manche kaufen sich für genau diesen Effekt eigene Filter, bei anderen schreit das Bild dann einfach „Handy".
Die Reviewer sind sich nicht mal einig, bei welcher Blende die Sterne am schönsten sind. The Verge mag sie bei f/4, PetaPixel bei f/1.8, weil die Strahlen bei f/4 durch Beugung weicher werden. Bei f/1.48 gibt es gar keine Sterne. Blöd dabei: Nachts öffnet die Automatik genau auf f/1.48. Wer Sterne will, muss die Blende selbst einstellen.
Schlechter geworden ist dagegen ein violetter Lens-Flare-Geist, den PetaPixel bei Gegenlicht in der rechten unteren Bildecke gefunden hat. Abblenden macht ihn kleiner, aber nicht weg. Wenn du oft in Lichtquellen filmst, ist das dein neues Problem, nicht die Sonnensterne.
Vier Grenzen, die du kennen solltest
- Kein manuelles ISO in der Standard-App. Für Log-Aufnahmen willst du auf Basis-ISO sitzen, das kannst du dort nicht erzwingen.
- Log nur als ProRes. Die Standard-App schreibt Log weiter ausschließlich in ProRes, und das frisst Speicher. iOS 27 bringt dafür eine Obergrenze für Pro-Video.
- Blende während der Aufnahme fix. Drittanbieter-Apps sollen per Schnittstelle stufenlose Blende bekommen, Apple hat das angekündigt. Als ich mein zweites Video gemacht hab, hatte noch keine App das ausgeliefert.
- Fokus-Tracking vergisst dein Motiv. Nach jedem Stopp der Aufnahme musst du die Person neu antippen. PetaPixel hat das beschrieben, ein Firmware-Update könnte es beheben.
Mein Setup für den ersten Dreh
Wenn dein 18 Pro diese Woche kommt, stell es so ein, und du liegst in den allermeisten Fällen richtig:
- Pro Controls öffnen, 25 fps, Verschlusszeit 1/50.
- Blende auf f/1.8 lassen, solange die Belichtung passt.
- Wird es drinnen zu hell: auf f/2.8, dann auf f/4.
- Draußen bei Sonne: variablen ND drauf, Blende f/1.8 oder f/2.8.
- Nachts: f/1.48, sonst nie.
- Weißabgleich manuell festlegen, bevor du startest.
Die Blende macht dein Video nicht automatisch besser. Sie macht die richtige Verschlusszeit in viel mehr Situationen möglich, und genau daran scheitern die meisten Handy-Videos. Ob sich das Gerät für dich überhaupt lohnt, hab ich in iPhone 18 Pro: Lohnt sich das Upgrade für Video-Creator? auseinandergenommen. Und wenn du deine Einstellungen mit anderen Selbstständigen abgleichen willst, die selbst mit dem iPhone drehen: Das machen wir laufend in der ContentWerk Community.