iPhone 18 Pro: Lohnt sich das Upgrade für Video-Creator?
Nur eine Kamera ist neu, und im Automatikmodus merkst du davon wenig. Für wen sich das iPhone 18 Pro zum Filmen lohnt und wer sich das Geld sparen kann.
Zwölf Reviews, drei große Tech-Kanäle, drei komplett verschiedene Urteile zur selben Kamera. „Unterschätzt", sagt der eine. „Nicht so nützlich", der zweite. Der dritte hätte die variable Blende am liebsten gleich wieder gestrichen.
Ich hab mir alle zwölf angeschaut. Nicht aus Langeweile.
Ich filme Hochzeiten und Firmenvideos, und iPhones sind bei mir keine Telefone, sondern Produktionskameras. Bei manchen Jobs laufen mehrere gleichzeitig als Multicam. Die Frage ist für mich also nie, ob etwas auf der Keynote beeindruckt. Die Frage ist, ob es ändert, was ich dem Kunden am Ende übergebe.
Hier bekommst du meine Antwort darauf, sortiert nach dem iPhone, das du gerade in der Tasche hast.
Nur eine Kamera ist neu, und das steht nirgends groß drauf
Das hat mich beim Durchgehen des Datenblatts ehrlich überrascht. Die Telekamera ist identisch zum 17 Pro: 48 Megapixel, 100 Millimeter, f/2.8, achtfacher Zoom. Das Ultraweitwinkel ist identisch. Die Frontkamera auch.
Neu ist genau ein Bauteil, nämlich das Objektiv der 48-Megapixel-Hauptkamera. Darin sitzt jetzt eine echte mechanische Blende mit sechs Lamellen und vier Stufen: f/1.48, f/1.8, f/2.8 und f/4. Von ganz offen bis ganz geschlossen sind das knapp drei Blendenstufen, rund siebenmal so viel Licht.
Ein wichtiges Bauteil. Aber eben eins.
Im Automatikmodus bekommst du ein 17 Pro, das nachts besser sieht
Das ist der Punkt, den die Werbung elegant umschifft. In meinem ersten Video, noch vor dem Verkaufsstart, hab ich getippt: Im Auto-Modus wird das iPhone kaum auf f/1.48 oder f/4 gehen. Die Reviews haben das bestätigt.
- Im Automatikmodus parkt die Blende fast immer bei f/1.8. Das ist exakt der Wert, den das 17 Pro fix eingebaut hatte. Sechs der zwölf Reviewer berichten dasselbe.
- Bei wenig Licht öffnet sie auf f/1.48. Das ist rund eine halbe Blendenstufe mehr, also etwa 1,5-mal so viel Licht.
- Auf f/4 geht sie nur in Sonderfällen, etwa wenn die Kamera Text erkennt oder Leute hintereinander in verschiedenen Abständen stehen.
- Während der Aufnahme lässt sich die Blende in der Standard-App nicht verstellen. Im Auto-Modus gleitet sie dafür stufenlos, das hat PetaPixel beobachtet.
Übersetzt: Wer nie in die Einstellungen geht, kauft ein 17 Pro mit besserer Nachtleistung. Genau dort liegt allerdings auch der größte echte Fortschritt. Der Tester von Trakin Tech nennt Low-Light-Video einen „echten Generationssprung", mit mehr Details und deutlich weniger Rauschen.
Und warum bleibt die Blende nicht einfach immer ganz offen? Weil f/1.48 die weichste Stufe ist. PetaPixel hat eine Ziegelwand mit allen vier Blenden fotografiert. Am schärfsten war f/2.8, dann f/1.8, dann f/4, und f/1.48 landete ganz hinten, besonders in den Ecken. Die Blende ist also nicht dafür da, dir f/4 zu schenken. Sie schützt dich vor f/1.48.
Das eigentliche Upgrade steckt in der Kamera-App
Auf der Keynote hat es vielleicht vier Sekunden bekommen, für mich ist es das Wichtigste am ganzen Gerät: Die normale Kamera-App wird endlich eine Kamera-App. Apple nennt das Pro Controls, und es gibt sie laut MacRumors nur auf dem 18 Pro und 18 Pro Max.
- Verschlusszeit manuell, von 1/1600 bis zu einer vollen Sekunde
- Blende manuell
- Weißabgleich manuell
- ein Live-Histogramm, das im Log-Modus die Belichtung so anzeigt, wie sie nach der Umwandlung in Rec. 709 aussehen wird
Allein der manuelle Weißabgleich hätte mich schon überzeugt. Wer mal im Wald gedreht und zugeschaut hat, wie das iPhone entscheidet, dass alles Grüne eigentlich blau sein sollte, weiß warum. Genau wegen dieses einen Fehlers bin ich jahrelang auf Drittanbieter-Apps ausgewichen.
Fertig ist Apple trotzdem nicht. Drei Lücken bleiben:
- Kein manuelles ISO. Apples Begründung gegenüber Reviewern: Fotos werden aus vielen Einzelbildern verrechnet. Für Video zieht das Argument nicht, denn wer in Log dreht, will auf Basis-ISO sitzen.
- Keine Rec.-709-Vorschau beim Filmen in Log. Du belichtest jetzt per Histogramm richtig, schaust aber weiter auf das flaue graue Bild.
- Log gibt es in der Standard-App weiter nur als ProRes. Apples eigene Final Cut Camera zeichnet Log dagegen als kleine H.265-Dateien auf.
Ein Detail fürs Upgrade-Rechnen: Die neue Speichergrenze für Pro-Video (du legst fest, wie viel Platz ProRes maximal fressen darf) ist eine Einstellung von iOS 27. Die sollte also auch auf dem 17 Pro landen.
Hitze, Gewicht und dein Rig
Die Vapor Chamber hat laut Apple rund dreimal so viel Fläche wie im Vorjahr. Den besten Test dazu hat Arun gemacht: sechs Handys nebeneinander, eine Stunde 4K-Aufnahme, gleichzeitig am Ladekabel. Das 18 Pro Max war an der Oberfläche das heißeste Gerät auf dem Tisch. Zweimal, an zwei Tagen.
Klingt schlecht. Ist es nicht.
Die Kammer schaufelt die Wärme vom Chip nach außen. Ein Handy, das sich heiß anfühlt, gibt seine Wärme ab. Eins, das sich kühl anfühlt, staut sie womöglich innen. Die Zahl, die beim Dreh zählt, ist eine andere: Wird der Bildschirm dunkler? Beim kleinen 18 Pro ist genau das im Test von The Tech Chap passiert. Und ein gedimmter Bildschirm in der Sonne heißt, dass du deine Belichtung nicht mehr beurteilen kannst.
Mein Tipp: Wenn du im Sommer draußen riggst, nimm das Max.
Gute Nachricht für alle mit Käfig: Die Abmessungen sind identisch zum 17 Pro. Cases, Cages, Griffe und Adapter passen weiter. Nur das Gewicht ändert sich, plus 5 Gramm beim Pro und plus 16 Gramm beim Pro Max, das jetzt 249 Gramm wiegt.
Meine Empfehlung, je nachdem was du gerade hast
Zum Einordnen die Preise in Österreich: Das iPhone 18 Pro startet bei 1.449 Euro, das Pro Max bei 1.599 Euro, jeweils mit 256 GB.
- Du hast ein 17 Pro: Bleib dabei. Außer du willst die Pro Controls in der Standard-App unbedingt jetzt. Da sind sich die Reviewer ausnahmsweise einig.
- Du hast ein 16 Pro: Hier spürst du den Sprung. Mehr Licht nachts, echte Blende, neue Kamera-App, bessere Kühlung.
- Du hast ein 15 Pro: Lohnt sich vor allem, wenn du oft bei schwachem Licht drehst. Sonst filmt dein 15 Pro weiter tadellos.
- Du hast etwas Älteres: Dann stellt sich eine andere Frage, nämlich ob du überhaupt ein neues brauchst (dazu gleich mehr).
- Du drehst viel ProRes: Rechne Speicher vor Blende. Ein Reviewer hat vorgerechnet, dass ein 17 Pro Max mit 1 TB im Handel teils so viel kostet wie ein 18 Pro Max mit 256 GB, und ProRes frisst Platz wie verrückt.
- Du filmst viel draußen in der Sonne: Behalt deine ND-Filter. Unter offenem Himmel ist selbst f/4 zu hell für die richtige Verschlusszeit.
- Du schwankst zwischen 18 Pro und iPhone Duo: Zum Filmen ist das 18 Pro die klare Wahl. Das Duo hat laut Apples Datenblatt weder Log noch ProRes und keine eigene Telekamera.
Der ehrliche Tipp: Du brauchst das neue iPhone gar nicht
Das sag ich in fast jedem Video, und ich meine es jedes Mal ernst.
Mein erstes Video zum iPhone 18 Pro hab ich mit einem iPhone 16 Pro Max gedreht. Die Overhead-Kamera, die in meinen Gear-Videos von oben auf den Tisch schaut, ist ein altes 15 Pro. Gefragt hat noch nie jemand, warum die Draufsicht schlechter aussieht als die Hauptkamera. Weil sie es nicht tut.
Für Talking Heads, Podcasts oder Interviews mit gesetztem Licht brauchst du weder bessere Low-Light-Leistung noch 120 fps noch ProRes RAW. Du brauchst Licht und Ton.
Deshalb mein Rat an alle, die anfangen wollen: Hol dir ein gebrauchtes iPhone 15 Pro. Nicht älter, denn das 15 Pro war das erste mit Apple Log. Die Differenz zum Neugerät steckst du in eine Leuchte und ein Mikrofon. Das bringt deinem Video mehr als jede Blende.
Was ich teste, sobald mein 18 Pro da ist
Als ich meine zwei Videos dazu gemacht hab, war mein eigenes 18 Pro noch nicht da. Ein paar Fragen haben alle zwölf Reviews offen gelassen, die kläre ich selbst:
- Blende während der Aufnahme: Standard-App gegen Drittanbieter-Apps (Apple hat die Schnittstelle angekündigt, geliefert hatte zu dem Zeitpunkt noch keine App)
- f/1.48 gegen f/1.8 bei der Schärfe im Video
- f/4 gegen einen echten ND-Filter
- 30 Minuten 4K-Log in der Sonne, mit einem Auge auf die Bildschirmhelligkeit
Die Ergebnisse kommen auf meinen YouTube-Kanal videowien. Meine beiden bisherigen Videos (auf Englisch) findest du hier: Is It Worth the Upgrade? und What the Reviews Got Wrong.
Mein Urteil in einem Satz: Das iPhone 18 Pro ist das beste Kamera-iPhone bisher, und für fast alle mit einem 17 Pro trotzdem kein Muss. Wenn du sehen willst, mit welchen Setups andere Selbstständige ihre Videos heute auf dem iPhone drehen, komm in die ContentWerk Community.