GPT entwirft, Claude prüft: Zwei-KI-Workflow für Solos
Microsoft hat in Copilot ein GPT-plus-Claude-Feature eingebaut. Den gleichen Workflow fährst du als Solo seit Monaten — ohne 30 Euro Abo. Hier ist wie.
Microsoft hat letzte Woche etwas in Copilot eingebaut, das ich seit Monaten in zwei Browser-Tabs nebeneinander mache. Sie nennen es Multi-Model. GPT schreibt den Entwurf. Claude zerlegt ihn.
Klingt nach Marketing. Ist aber genau das, was bei mir täglich läuft. Nur ohne 30 Euro Copilot-Abo.
In den nächsten 6 Minuten zeig ich dir den Workflow, warum eine einzige KI dich blockiert, und wann zwei KIs verschwendete Zeit sind.
Was Microsoft da eigentlich gebaut hat
Copilot-Nutzer können seit Mitte Mai ein Feature aktivieren, in dem GPT-5 den ersten Output produziert und Claude Opus 4.6 anschließend kritisiert. Der User sieht beide Antworten nebeneinander. Microsoft verkauft das als "Multi-Model Reasoning".
Clever verpackt. Aber kein neuer Workflow.
Was Microsoft da macht, mache ich seit Februar manuell mit zwei Tabs. ChatGPT links. Claude rechts. Was im einen herauskommt, klatsche ich ins andere und sag: "Zerleg das. Was fehlt. Wo ist es generisch."
Funktioniert besser als jede Einzel-KI. Garantiert.
Warum eine KI nicht reicht
Jedes Modell hat einen Bias. ChatGPT ist gefällig. Es sagt selten, dass deine Idee mies ist. Claude ist kritischer, manchmal zu zaghaft. Beide produzieren Text der "okay" klingt, aber denselben safe-Sound hat.
Wenn ich nur ein Modell nutze, bekomm ich:
- Output der nach KI riecht
- Keine Konter-Argumente
- Blind-Spots die ich selbst nicht sehe, weil ich schon zu lang dranhänge
- Wiederholungen die der Drafter nicht erkennt
Mit zwei Modellen läuft das anders. Claude liest GPTs Output wie ein Editor. Distanziert. Es sieht die Wiederholungen, die ausgelutschten Phrasen, die fehlenden konkreten Beispiele.
Ich produziere seit 10 Jahren Video-Content. Wenn ich mit Cuttern arbeite, ist das exakt dieselbe Logik: Erste Person schneidet, zweite Person reviewed. Niemand findet eigene Fehler in seinem eigenen Cut. Bei KI ist das identisch.
Mein konkreter Workflow
So sieht das aus, wenn ich einen LinkedIn-Post schreibe:
- Briefing an GPT-5 → "Schreib einen LinkedIn-Post über X. 200 Wörter. Counter-intuitive Take im ersten Satz."
- GPT liefert den Draft → meist gefällig, manchmal flach
- Copy in Claude Opus 4.6 → "Du bist Editor. Zerleg diesen LinkedIn-Post. Was ist generisch. Wo fehlt der scharfe Take. Welche Sätze sind KI-Sound."
- Claude kommt mit 5-7 Punkten → meist treffsicher
- Ich schreibe selbst eine v2 basierend auf Claudes Feedback
Der ganze Loop dauert 8 Minuten. Das was rauskommt klingt nach mir, nicht nach KI.
Wichtig: Schritt 5 ist nicht optional. Lässt du GPT die v2 schreiben → wieder KI-Sound. Lässt du Claude die v2 schreiben → Claude-Sound. Du musst selbst tippen. Die KI ist der Sparring-Partner, nicht der Ghostwriter.
Ein Beispiel aus dieser Woche
Ich wollte einen Post über "warum Premiere 26.2 für Solos der erste echte Adobe-Update seit Jahren ist". GPTs erster Output war 280 Wörter, drei Bullet-Points, "revolutionärer Wendepunkt" stand drin. Generisch.
Claudes Review-Output:
- "Revolutionärer Wendepunkt" ist KI-Phrase, raus
- Hook zu vage, wer ist die Audience
- Punkt 2 wiederholt Punkt 1
- Kein konkretes Tool-Beispiel
- Letzter Satz ist ein Cliché
Ich hab den Post in 6 Minuten neu geschrieben. Der gleiche Post den ich ohne Claude-Review gepostet hätte? Wäre auf 8.000 Views gestorben. Die v2 lief auf 47.000.
Das ist nicht magisch. Das ist Editor-Pass. Den machst du in der Print-Welt seit 100 Jahren. KI braucht den gleichen Pass.
Was du dafür brauchst
- ChatGPT Plus 20 Euro im Monat, oder Free-Account für GPT-5.4 mini
- Claude Pro 20 Euro im Monat, oder Free für Opus light
- Zwei Browser-Tabs
Cost insgesamt: 40 Euro. Copilot kostet 30 und gibt dir den Multi-Model-Workflow integriert. Wenn du Microsoft 365 sowieso brauchst, lohnt sich Copilot. Wenn nicht, bleib beim manuellen Setup. Du hast mehr Kontrolle, sortierst die Modelle selbst pro Task.
Pro-Tipp: ich nutze unterschiedliche Modelle für unterschiedliche Tasks.
- Texte schreiben → GPT als Drafter, Claude als Editor
- Daten analysieren → Claude als Drafter, GPT als Cross-Check
- Strategie-Fragen → Claude solo, es ist da schärfer
- Schnelle Listen und Brainstorm → GPT solo, es ist da schneller
Wann zwei KIs verschwendete Zeit sind
Nicht alles braucht zwei Modelle. Übertreib es nicht.
- Quick-Replies wie Instagram-DMs oder kurze E-Mails: 1 KI
- Notizen-Cleanup: 1 KI
- Übersetzungen: 1 KI
- Content der morgen niemand mehr liest: 1 KI
Den Zwei-KI-Loop nutze ich nur für Sachen die sichtbar werden. LinkedIn-Posts. YouTube-Titel und Descriptions. Pitches an Kunden. Blog-Artikel. Alles wo der Output länger lebt als eine Stunde.
Faustregel: wenn der Output mindestens 100 Leute sehen werden, zwei KIs. Sonst eine.
Was Microsoft hier wirklich verkauft
Copilots Multi-Model-Feature ist nicht die Technologie. Die Technologie hast du schon. Was Microsoft verkauft ist die Convenience. Ein Tab statt zwei. Ein Klick statt Copy-Paste.
Für manche Solopreneurs ist das 30 Euro im Monat wert. Für andere nicht. Wenn du ohnehin 8 LinkedIn-Posts pro Woche schreibst und Microsoft 365 nutzt, spar dir die zwei Tabs. Wenn du nur 1-2 pro Woche schreibst, behalt das Geld.
Was Microsoft nicht verkauft: die Disziplin Schritt 5 selbst zu machen. Die kriegst du in keinem Abo. Nur durch dich selbst.
Der ehrliche nächste Schritt
Versuch das morgen. Nimm den nächsten LinkedIn-Post der bei dir auf der Liste ist. Lass GPT v1 schreiben. Schick die v1 zu Claude und bitte um Editor-Feedback. Schreib selbst eine v2.
Wenn der Post besser performt — willkommen im Workflow. Wenn nicht, hast du 8 Minuten verloren und einen Datenpunkt gewonnen. Das ist auch was wert.
Wer mit anderen Solopreneurs an genau solchen Workflows arbeiten will, findet uns in der ContentWerk Community. Wir teilen Prompts, Workflows und ehrliches Feedback zu Tools die hypen und welche tatsächlich was bringen.
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