GPT-6.1 Sol: Astra-Niveau zum Fünftelpreis, nur nicht im Chat
GPT-6.1 Sol kommt fast an Astra heran und kostet ein Fünftel. Wo es läuft, was es kostet und für wen sich der Wechsel lohnt.
Die wichtigste Ankündigung der OpenAI DevDay war nicht Dots. Es war ein Modell, das du im normalen ChatGPT-Fenster gar nicht findest.
GPT-6.1 Sol heißt es. Seit 29. September ist es draußen.
Laut OpenAI kommt Sol bei Coding, Computer-Use und klassischer Büroarbeit fast an GPT-6 Astra heran, das Top-Modell. Zum Fünftel des Preises. Klingt nach dem perfekten Upgrade für jeden, der als Solo-Selbstständiger mit KI arbeitet. Ist es auch, aber nur, wenn du weißt, wo das Ding überhaupt läuft.
Hier bekommst du die Kurzfassung: was Sol kann, wo der Haken liegt und für wen sich ein Wechsel im Workflow wirklich lohnt.
Was GPT-6.1 Sol eigentlich ist
Sol ist das Mittelklasse-Modell der GPT-6-Familie. Über ihm sitzt Astra (teuer, stark), darunter die kleineren Modelle für schnelle Antworten.
Das Update von GPT-6 Sol auf 6.1 bringt laut den technischen Angaben von OpenAI:
- Bessere Werte in allen Capability-Tests, vor allem bei Coding und Computer-Use
- Gleichstand mit Astra im Coding-Benchmark DeepSWE v1.1
- Nur 2,1 Punkte hinter Astra bei OSWorld 2.0 (71,4 zu 73,5 Prozent, beide bei maximalem Reasoning) (Software per Maus und Tastatur bedienen), bei rund einem Siebtel der Kosten
- Halbierter Preis für gecachten Input: 0,10 statt 0,20 Dollar pro Million Tokens
- Wissensstand 30. April 2026 statt 20. April
- Unverändert riesiges Kontextfenster: 1,05 Millionen Tokens, bis zu 128.000 Tokens Output
Das sind Herstellerzahlen. Unabhängige Langzeittests gibt es nach knapp einer Woche noch kaum. Ich habe Sol selbst noch nicht durch einen kompletten Content-Workflow gejagt, also nimm die Benchmarks als Richtung, nicht als Garantie.
Der Haken: Sol ist nicht im normalen Chat
Hier stolpern die meisten.
Wer ChatGPT öffnet und im Modell-Menü nach Sol sucht, findet nichts. OpenAI schreibt selbst, dass das Modell im regulären Chat noch nicht verfügbar ist. Sol läuft aktuell in zwei Ecken:
- ChatGPT Work (Web und Mobile), also dem Agenten-Bereich, in dem ChatGPT Aufgaben selbstständig abarbeitet
- Codex, als Desktop-App und CLI
Dazu kommt die API unter dem Modellnamen „gpt-6.1-sol".
Freigeschaltet ist es für Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu. Free und Go gehen leer aus. Laut OpenAIs Release Notes startete der Rollout bei Pro, danach folgten die anderen Pläne. Bei Enterprise und Edu muss zusätzlich ein Admin das Modell freischalten. Heißt: Wenn du Plus hast und Sol noch nicht siehst, ist das kein Fehler bei dir.
Zweiter kleiner Haken: Sol denkt immer ein bisschen nach. Den Reasoning-Modus „none" gibt es nicht mehr, das Minimum ist „low". Für blitzschnelle Mini-Antworten ist es also nicht gebaut.
Was der Preis für deine Automationen heißt
Spannend wird Sol dort, wo du nicht klickst, sondern automatisierst. Make, n8n, ein kleines Python-Skript, das Transkripte zusammenfasst: alles, was über die API läuft.
Die API-Preise im Vergleich (Standard, pro Million Tokens):
- GPT-6.1 Sol: 2 Dollar Input, 10 Dollar Output
- GPT-6 Astra: 10 Dollar Input, 50 Dollar Output
Ein hypothetisches Rechenbeispiel: Dein Workflow verarbeitet im Monat 1 Million Tokens Input (Transkripte, Briefings, Kundenmails) und erzeugt 200.000 Tokens Output (Captions, Zusammenfassungen, Entwürfe).
- Mit Astra: 10 + 10 = 20 Dollar
- Mit Sol: 2 + 2 = 4 Dollar
Bei kleinen Mengen ist das Kleingeld. Bei Workflows, die täglich laufen, ist es der Unterschied zwischen „läuft nebenbei" und „taucht in der Buchhaltung auf".
Eine Falle gibt es: Ab 272.000 Input-Tokens pro Anfrage verdoppeln sich die Input- und Cache-Preise, Output kostet das 1,5-Fache. Wer ganze Video-Transkripte von Mehrstunden-Drehs in einen einzigen Prompt kippt, sollte vorher splitten.
EU-Daten kosten 10 Prozent extra
Für Selbstständige in Österreich und im restlichen DACH-Raum mit Kundendaten im Spiel relevant: Sol unterstützt Datenresidenz in der EU. Die kostet aber einen Aufschlag von 10 Prozent, also 2,20 Dollar Input und 11 Dollar Output pro Million Tokens.
Und der schnelle Fast-Modus ist mit EU-Residenz nicht verfügbar.
Mein Take: Wenn du Kundenmaterial verarbeitest (Interview-Transkripte, Angebote, interne Briefings), sind die 10 Prozent gut investiertes Geld. Für deine eigenen Captions brauchst du das nicht.
Mehr Luft im Plus-Abo
Der unterschätzte Punkt. Laut OpenAIs Preisseite schätzt OpenAI für Plus mit Codex auf dem eigenen Rechner:
- 15 bis 160 Nachrichten pro fünf Stunden mit Sol
- 5 bis 45 Nachrichten pro fünf Stunden mit Astra
Die Spannen sind breit, weil große Aufgaben mehr Kontingent fressen. Die Richtung ist aber klar: Wer bisher bei Astra ständig ans Limit gestoßen ist, bekommt mit Sol ungefähr die dreifache Menge Arbeit aus demselben Abo.
Für wen sich der Wechsel lohnt
Nicht jeder muss jetzt etwas umstellen. Meine Einordnung:
- Du verwendest ChatGPT nur im normalen Chat: Für dich ändert sich vorerst nichts. Abwarten, bis Sol im Chat auftaucht.
- Du lässt ChatGPT Work Aufgaben erledigen: Sol als Standard testen. Astra nur für die wirklich kniffligen Jobs.
- Du baust Automationen über die API: Hier ist der größte Hebel. Bestehende Astra-Workflows auf Sol umstellen, Ergebnisse eine Woche lang vergleichen.
- Du codest mit Codex (Website, kleine Tools, Skripte für deinen Schnitt-Workflow): Sol ist im Coding laut Benchmark auf Astra-Niveau. Wechseln.
- Du arbeitest mit Claude: Kein Grund zur Panik. Der Vergleich GPT-6 Astra vs Claude Fable 5.1 bleibt die Abo-Frage. Sol ist eher die Antwort auf „Wie werden meine Automationen billiger?".
- Du bist im Free- oder Go-Plan: Kein Zugriff. Für die meisten Solos reicht das aber ohnehin noch.
Mein Take
Seit rund zehn Jahren produziere ich Video. Die teuerste Ressource war dabei nie die Kamera, sondern die Zeit zwischen Dreh und fertigem Post. KI-Modelle wie Sol sind genau dort interessant: Transkripte zusammenfassen, Captions vorbereiten, Rohschnitt-Listen bauen.
Das Spannende an Sol ist nicht, dass es klüger ist als Astra. Ist es nicht. Spannend ist, dass „fast so gut" plötzlich so günstig wird, dass du es ohne schlechtes Gewissen in jede Routine einbauen kannst.
Die Frage ist also nicht „Welches Modell ist das beste?", sondern: Welche deiner Aufgaben braucht überhaupt das Top-Modell? Meistens weniger, als du denkst. Wenn du dir den Unterschied zwischen den Agenten-Tools noch einmal ansehen willst: Claude Cowork vs ChatGPT Work erklärt, wer welchen Job übernimmt.
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