Nikon Z5IIC: Vollformat ohne Sucher, für wen lohnt sie sich?
Die Nikon Z5IIC bringt Vollformat ohne Sucher für 1.550 Euro. Was sie beim Filmen kann, wo die Haken liegen und wann die Z5II die bessere Wahl ist.
Die neue Nikon Z5IIC hat keinen Sucher, nur einen Kartenslot und ein Display mit halb so vielen Bildpunkten. Trotzdem kostet sie in Österreich gerade mehr als die Z5II, die all das hat: im günstigsten Fall 155 Euro, bei den nächstgünstigen Shops rund 40 Euro.
Klingt nach einem schlechten Deal. Für alle, die eine Vollformatkamera wirklich immer dabeihaben wollen, ist sie trotzdem spannend.
Nikon hat die Z5IIC am 24. September vorgestellt, in den Handel kommt sie laut heise Mitte Oktober. Ich filme seit rund zehn Jahren Hochzeiten und Firmenvideos und setze dabei iPhones als echte Produktionskameras ein. Genau aus dieser Ecke schau ich auf die Z5IIC: Wann schlägt eine Vollformatkamera ohne Sucher das Handy, und wann greifst du besser zur Z5II? In der Hand hatte ich sie noch nicht. Alles hier stützt sich auf Nikons Datenblatt, das Handbuch der Z5II, den Bericht von heise und die aktuellen Preise auf geizhals.at.
Eine Z5II ohne Buckel: was fehlt und was neu ist
Im Kern ist die Z5IIC eine Z5II mit flacher Oberseite. Sensor und Prozessor sind gleich: 24,5 Megapixel, rückseitig belichteter Vollformatsensor, EXPEED 7. Der Stabilisator im Gehäuse gleicht laut Nikon bis zu 7,5 Blendenstufen aus, das Display misst 3,2 Zoll und lässt sich drehen und schwenken.
Weggefallen sind drei Dinge:
- der elektronische Sucher
- der zweite Kartenslot (die Z5IIC hat einen SD-Slot, die Z5II zwei)
- die halbe Displayauflösung, nämlich rund 1,04 Millionen Bildpunkte statt 2,1 Millionen
Dafür ist das Gehäuse 20 Millimeter niedriger (80,5 statt 100,5 mm) und leichter. Nikon nennt rund 620 Gramm mit Akku und Speicherkarte, die Z5II kommt gleich ausgestattet auf rund 700 Gramm.
Neu gegenüber der Z5II sind vor allem zwei Dinge: 15 Szenenmodi am Moduswahlrad (laut Nikon erstmals in einer spiegellosen Vollformatkamera der Marke) und ein Filmkorn-Effekt. Die Taste für Bildrezepte, den Product-Review-Modus, die Webcam-Funktion per USB und den roten Aufnahme-Rahmen hat auch die Z5II.
4K mit 50 oder 60 Bildern gibt es nur mit Crop
Die Z5IIC filmt 4K UHD mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde, schneidet bei 60p laut Nikon aber auf das DX-Format zu, also einen Ausschnitt in APS-C-Größe. Das Bild wird um den Faktor 1,5 enger. Laut Handbuch der Z5II, die denselben Sensor und Prozessor hat, ist der Bildausschnitt bei 4K mit 50p und 60p fest auf DX, mit 24, 25 oder 30 Bildern kannst du 4K im vollen FX-Format aufnehmen. Full HD geht bis 120p, dazu kommen Zeitlupen-Modi mit vier- und fünffacher Verlangsamung.
Gerade die in Österreich üblichen 50p sind also vom Crop betroffen.
Für Talking Head ist das egal. Mit 25p siehst du völlig normal aus. Bei Reels mit Zeitlupe wird es relevant, denn aus einem 28-Millimeter-Objektiv werden im Crop rund 42 Millimeter. Wer sich mit ausgestrecktem Arm selbst filmt, ist dann viel zu nah dran.
Wichtig für die Kaufentscheidung: Bei den Video-Eckdaten unterscheiden sich Z5IIC und Z5II laut Nikon nicht, Crop und N-RAW bis 30p inklusive. Beim Bild bringt dir die neue Variante also keinen Vorsprung.
N-RAW auf SD-Karte: was das in Euro und Gigabyte heißt
Die Z5IIC zeichnet 12-Bit N-RAW intern auf die SD-Karte auf, dazu 10-Bit H.265 mit N-Log. Die passenden LUTs hat Nikon laut heise gemeinsam mit dem Kinokamera-Hersteller RED entwickelt, sie sind frei verfügbar. N-RAW gibt es allerdings nur bis 30p, und Nikon empfiehlt dafür Karten der Klasse V90.
Eine Datenraten-Tabelle für die Z5IIC hab ich noch nicht gefunden. Das Handbuch der Z5II nennt diese Werte:
- N-RAW in 4K mit 25p: rund 350 Mbit/s, also etwa 2,6 GB pro Minute
- H.265 in 10 Bit, 4K mit 25p: rund 190 Mbit/s, etwa 1,4 GB pro Minute
- H.265 in 10 Bit, 4K mit 50p oder 60p: rund 340 Mbit/s
- auf eine 128-GB-Karte passen rechnerisch rund 45 Minuten N-RAW (die Kamera schreibt zu jeder RAW-Datei noch eine kleine MP4-Vorschau mit), in H.265 mit 25p rund 90 Minuten
Eine V90-Karte mit 128 GB kostet auf geizhals.at aktuell ab rund 145 Euro. Die AV PRO SD MK2 von Angelbird, einem Hersteller aus Österreich, liegt bei 159 Euro, mit 256 GB bei knapp 350 Euro.
Der eine Slot klingt schlimmer, als er beim Filmen ist. Auch die Z5II schreibt Videos laut Handbuch immer nur auf eine Karte, eine Sicherungskopie gibt es dort nur für Fotos. Wenn dir beim Filmen ein Backup wichtig ist, bringt dir der zweite Slot also nichts, dann brauchst du bei beiden Kameras einen externen Rekorder am HDMI-Ausgang. Bei Hochzeiten würde ich auf eine Absicherung nie verzichten, weil sich dort nichts wiederholen lässt. Ein Talking-Head-Video drehst du zur Not einfach nochmal.
Mein Take: Für Talking Head und Reels reicht H.265 in 10 Bit mit N-Log völlig. N-RAW lohnt sich erst, wenn du wirklich viel Zeit in die Farbkorrektur steckst und genug Platz auf der Festplatte hast.
Wofür eine Kamera ohne Sucher gebaut ist
Wer vom Smartphone kommt, hat nie durch einen Sucher geschaut. Du kadrierst am Display, und das bleibt hier so. Drei Einsätze passen auffallend gut:
- Talking Head vom Stativ. Display nach vorne klappen, fertig. Laut Nikon leuchtet beim Filmen eine REC-Lampe, und um das Displaybild erscheint ein roter Rahmen. Klingt banal, rettet dich aber vor der Aufnahme, bei der du zehn Minuten redest und die Kamera nie lief.
- Produktvideos. Der Product-Review-Modus verlagert den Fokus laut Nikon weich auf einen Gegenstand, den du nah an die Kamera hältst. Bei Unboxings ist genau dieser Fokuswechsel sonst oft Glückssache.
- Livestreams und Calls. Per USB-Kabel meldet sich die Kamera dank UVC/UAC am Rechner als Webcam samt Ton an. Kein Capture-Stick, kein HDMI-Gebastel.
Dazu kommen Buchsen für Mikrofon und Kopfhörer (3,5 mm) und ein Micro-HDMI-Ausgang.
Ehrlich gesagt kann die Z5II alle drei genauso, ihr Display klappt ebenfalls nach vorne. Nur eine REC-Lampe finde ich in ihrer Teileübersicht nicht. Der echte Vorteil der Z5IIC ist das flachere, leichtere Gehäuse.
Wenn du zusätzlich eine Perspektive von oben brauchst, kauf dafür keine zweite Systemkamera. Die Overhead-Kamera in meinen Gear-Videos ist ein altes iPhone 15 Pro, und das reicht völlig.
Wo es eng wird: draußen in der Sonne. Wie hell das Display ist, hat Nikon nicht angegeben. Mit halber Auflösung und ohne Sucher würde ich mich bei Outdoor-Drehs nicht auf die Schärfe am Bildschirm verlassen. Offen ist auch, wie das kleinere Gehäuse lange 4K-Aufnahmen wegsteckt.
Mein Objektiv-Vorschlag: 28 Millimeter statt Kit-Zoom
Das Kit mit dem 24-50 mm f/4-6.3 kostet laut heise 1.850 Euro, also 300 Euro mehr als das Gehäuse. Für Talking Head würde ich es nicht nehmen. Bei f/4 bis f/6.3 verschwimmt der Hintergrund kaum, und genau dafür kaufst du ja Vollformat.
Mein Vorschlag:
- Nikon Z 28 mm f/2.8, auf geizhals.at ab 199 Euro. Weit genug für den Schreibtisch und für Reels vom Tischstativ.
- Nikon Z 40 mm f/2, ebenfalls ab 199 Euro. Wenn die Kamera eineinhalb bis zwei Meter vor dir steht, bekommst du damit den weicheren Hintergrund.
Denk an den Crop: In 4K mit 50p oder 60p wird aus dem 28er ein 42er und aus dem 40er ein 60er. Für Selfie-Reels aus der Hand ist dann Schluss.
Und bevor du Geld in Glas steckst: Licht und Ton machen bei Talking Heads mehr aus als die Kamera. Wie du mit unter 200 Euro ein sauberes 3-Punkt-Licht baust, hab ich separat aufgeschrieben.
Jetzt die Z5II kaufen oder bis Mitte Oktober warten?
Stand heute: Die Z5II gibt es auf geizhals.at ab 1.394 Euro, die nächsten Angebote liegen um 1.510 Euro. Die Z5IIC ist ab 1.549 Euro vorbestellbar, die Preisempfehlung liegt laut heise bei 1.550 Euro.
- Du filmst fast nur vom Stativ mit nach vorne geklapptem Display: Beide passen. Die Z5IIC nur, wenn dir 20 mm weniger Höhe und 80 g weniger Gewicht den Aufpreis wert sind. Vorbestellen würde ich sie nicht, warte die ersten Tests zu Wärme und Displayhelligkeit ab.
- Du fotografierst bei Events und Hochzeiten auch oder drehst viel draußen: Nimm die Z5II. Sucher, Foto-Backup auf die zweite Karte und aktuell günstiger (je nach Shop 40 bis 155 Euro).
- Du willst N-RAW oder 4K mit 50p: Da sind beide laut Nikon gleich. Dann entscheidet der Preis, und der spricht für die Z5II.
- Du kommst vom iPhone und willst nur schönere Talking Heads: Frag dich erst, ob es überhaupt eine Systemkamera sein muss. Dabei hilft mein Kamera-Vergleich für Solo-Creator 2026.
Mein Urteil: Die Idee ist richtig, der Startpreis noch nicht. Zum Listenpreis liegt die Z5IIC unter der Z5II, in den USA etwa bei 1.399,95 Dollar, während die Z5II dort mit 1.699 Dollar gestartet ist. Nur ist die ältere Z5II im Handel längst billiger geworden. Ich würde warten, bis die Z5IIC klar unter der Z5II liegt, außer dir ist das flache Gehäuse den Aufpreis wert. Wenn du wissen willst, mit welchen Kameras andere Selbstständige ihre Videos drehen, frag in der ContentWerk Community.