iPhone 18 Pro Max: warum 1 TB die schlechtere Video-Wahl ist

Die teuerste Speichervariante ist für Video die schlechtere. Was die neuen Messungen zum iPhone 18 Pro Max bedeuten, wenn du ProRes drehst.

Speicherchip mit abfallender Tempoanzeige: iPhone 18 Pro Max mit 1 TB schreibt langsamer
Mehr Speicher gekauft, weniger Kamera bekommen. So absurd ist das gerade.

Das teuerste iPhone 18 Pro Max ist für Video das schlechtere. Nicht weil die Kamera anders wäre. Die ist identisch.

Der Speicher ist es.

Der Testkanal HOMOLAB auf der chinesischen Videoplattform Bilibili hat vor wenigen Tagen ein 1-TB-Pro-Max durchgemessen und dabei etwas gefunden, das auf keinem Datenblatt steht: In den großen Speichervarianten steckt langsamerer Flash als in den kleinen. Tom's Hardware, AppleInsider und Notebookcheck haben die Zahlen innerhalb von zwei Tagen nachgezogen. Sie sind unangenehm.

Was du hier mitnimmst: warum die 512-GB-Variante für ProRes-Dreharbeiten die bessere Kamera ist als die 1-TB-Variante, und was du machst, wenn du das teure Gerät schon bestellt hast.

Zwei verschiedene Speicher im selben Gehäuse

Apple verbaut nicht überall denselben Flash. Nach den bisherigen Berichten sitzt in 256 GB und 512 GB klassischer TLC-Speicher. In 1 TB und 2 TB sitzt QLC.

Der Unterschied klingt nach Erbsenzählerei und ist keiner. TLC legt drei Bit pro Speicherzelle ab, QLC vier. Mehr Bit pro Zelle heißt: dichter, billiger pro Gigabyte, langsamer beim Schreiben und schneller am Ende seiner Lebensdauer. Das ist seit Jahren SSD-Grundwissen, nur hat es bisher kaum jemand im Telefon erwartet.

Auf Apples Spec-Seite findest du dazu kein Wort. Steht da auch nicht falsch, steht da halt gar nicht.

Tom's Hardware beziffert den Abstand zum TLC-Modell bei gemischten Zugriffen unter geringer Last mit rund 38 Prozent. Und das ist der freundliche Teil der Geschichte.

Der Cache rettet dich, bis er es nicht mehr tut

Moderner Flash trickst. Das Telefon schreibt eingehende Daten erst in einen schnellen Pufferbereich (SLC-Cache), der bis zu 3.000 MB/s wegschluckt. Danach übernimmt ein zweiter Puffer mit rund 578 MB/s. Erst wenn beide voll sind, landen die Daten direkt auf dem QLC.

Und da wird es hässlich.

Bei fast leerem Gerät schreibt das QLC im Schnitt 79,4 MB/s, im schlechtesten gemessenen Moment 25,6 MB/s. Bei etwa 60 Prozent Füllstand sind es im Schnitt noch rund 45 MB/s. Der schlechteste Wert: 1,1 MB/s. Das ist, wie Tom's Hardware schreibt, langsamer als eine Festplatte.

Noch übler ist, was mit dem Puffer selbst passiert. Fast leer stehen rund 250 GB Cache bereit. Bei 60 Prozent Füllstand sind davon noch etwa 58 GB übrig. Drei Viertel weg.

Der Cache schrumpft also genau dann, wenn du ihn am dringendsten brauchst.

Die Rechnung, die du dir merken solltest

ProRes in 4K bei 30 Bildern belegt am iPhone laut Apple rund 6 GB pro Minute, also etwa 100 MB/s. Jetzt rechne mit:

  • Gerät fast leer: 250 GB Cache ÷ 6 GB/min = gut 40 Minuten, bevor du überhaupt in die Nähe des langsamen Bereichs kommst. Kein Problem.
  • Gerät zu 60 Prozent voll: 58 GB Cache ÷ 6 GB/min = knapp 10 Minuten. Ist danach auch der zweite Puffer voll, schreibt das Telefon direkt auf QLC, mit durchschnittlich 45 MB/s. ProRes braucht rund 100. Mehr als die Hälfte fehlt.

Ein Interview, eine Podcast-Aufzeichnung, ein Vortrag, eine Trauung: alles Formate, bei denen zehn Minuten am Stück nichts Besonderes sind. Genau dort kann es kippen. Fairerweise: Die Zahlen stammen aus synthetischen Benchmarks, sie zeigen eher den ungünstigsten Fall als eine echte Aufnahme.

Und jetzt die Pointe: Wer kauft 1 TB? Leute, die viel drauf haben. Bei denen ist das Gerät nach ein paar Monaten eher zu 70 Prozent voll als zu 20. Du bezahlst also einen Aufpreis für Platz, füllst den Platz, und genau dadurch kann die Kamera unzuverlässig werden.

Das Prinzip ist nicht neu. Günstige externe SSDs verhalten sich genauso: Die ersten Minuten laufen sauber, dann sackt die Schreibrate ab, und im schlimmsten Fall stoppt die Aufnahme. Deswegen zählt bei jedem Speichermedium zuerst die Dauerschreibrate, nie der Spitzenwert im Marketing.

Was ich kaufen würde

512 GB. Ohne Zögern.

Das ist die größte Variante mit dem schnelleren TLC-Speicher, und sie fasst brutto immer noch rund 85 Minuten ProRes in 4K30. Der Aufpreis auf 1 TB (beim Pro Max in Österreich 500 Euro) kauft dir Platz und kostet dich Tempo. Für Fotos, Reels und normales HEVC-Material ist das egal. Für alles, was lange am Stück läuft, ist es das nicht.

Dazu eine externe SSD am USB-C-Port, wenn du wirklich lang drehst. Apple nennt für ProRes in 4K60 eine Mindestschreibrate von 220 MB/s, für 4K120 sogar 440 MB/s. Eine ordentliche NVMe-SSD im Gehäuse macht das aus dem Stand und kostet einen Bruchteil des Apple-Speicheraufpreises. Netter Nebeneffekt: Das Material liegt nach dem Dreh schon auf der Platte, abends umkopieren fällt weg.

Du hast schon 1 TB bestellt. Und jetzt?

Kein Grund zur Panik, das Gerät ist nicht kaputt. Es hat nur eine Bedingung, die du kennen musst: halte es unter 60 Prozent Füllstand.

Vier Dinge, die das realistisch machen:

  • Täglich ausleeren statt wöchentlich. Material nach jedem Dreh runterziehen, nicht am Wochenende. Das ist der ganze Trick.
  • ProRes nur da, wo du wirklich gradest. Für Reels, Social-Cuts und alles, was ohnehin durch eine Kompression geht, reicht HEVC in 4K. Laut Apple bis zu dreißigmal kleiner, und der Cache bleibt frei.
  • Lange Aufnahmen extern. Alles über zehn Minuten am Stück geht auf die SSD. Interviews, Panels, Bühnen, Zeremonien.
  • Vor dem Dreh kurz in die Einstellungen schauen. Wenn du bei 700 GB belegt stehst, ist das kein Detail, sondern ein Risiko für die Aufnahme, die du gleich machst.

Das ist unbequemer als das, was Apple verkauft. Aber es ist ehrlicher.

Der eigentliche Ärger

Nicht die Technik. QLC in einem Telefon ist eine vertretbare Ingenieursentscheidung, die meisten Leute merken davon nie etwas.

Der Ärger ist, dass genau diese Modelle mit Pro-Workflows beworben werden. ProRes RAW, Log 2, Genlock: alles Features für Leute, die lange und am Stück aufzeichnen. Und ausgerechnet die Speichervariante, die für so etwas gekauft wird, hält die Dauerlast am schlechtesten aus. Das gehört auf ein Datenblatt, nicht erst in ein Testvideo.

Mein Take nach rund zehn Jahren als Videograf: Die Kamera ist selten das schwächste Glied. Das Medium, auf das sie schreibt, schon eher. Deswegen ist dieser Test für mich wichtiger als jede Blenden-Diskussion der letzten Monate.

Kaufst du in den nächsten Wochen: nimm 512 GB und steck einen Teil der gesparten 500 Euro in eine externe SSD. Hast du schon 1 TB: mach dir eine feste Routine fürs Ausleeren, heute noch.

Wie andere Selbstständige ihre Dreh-Setups aufbauen und welche Speichermedien sich bei längeren Produktionen wirklich bewähren, diskutieren wir laufend in der ContentWerk Community.

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