DJI Pocket 4P: Lohnt sich das neben dem iPhone?

DJI launchte den Pocket 4P am Cannes. Dual-Lens, 1-Zoll-Sensor, 3-fach-Tele. Mein ehrlicher Take nach 10 Jahren Videoproduktion: Wer braucht ihn wirklich, wer nicht.

DJI Pocket 4P Dual-Lens-Pocketcam neben iPhone als Vergleichs-Cover für ContentWerk Solopreneur-Kauftest
Pocket 4P plus Zubehoer: 1.100 Euro. Fuer die meisten Solos das falsche Upgrade.

DJI hat den Pocket 4P letzte Woche am Cannes Film Festival gelauncht. Dual-Lens. 1-Zoll-Sensor. 3-fach-optischer Tele.

Meine Inbox ist voll mit der gleichen Frage: "Soll ich das kaufen oder reicht mein iPhone?"

Ich sag dir was ich nach zehn Jahren professioneller Videoproduktion glaube. Spoiler: Die Antwort ist nicht "ja".

Wer braucht den Pocket 4P wirklich

Kurze Antwort: Nicht jeder. Lange Antwort kommt jetzt.

Der Pocket 4P löst zwei Probleme, die das iPhone nicht löst. Erstens: echte mechanische Stabilisierung. Du läufst, du joggst, du steigst aus dem Auto. Der Frame bleibt clean. Mit dem iPhone musst du Action Mode anwerfen oder einen Gimbal kaufen. Der Pocket hat das eingebaut.

Zweitens: Tele-Reach. Das ist neu. Der Pocket 4P hat erstmals einen 3-fach-optischen Tele neben der 1-Zoll-Wide. Vorher musstest du beim iPhone digital reinzoomen, was Qualität kostet. Oder ein externes Tele-Objektiv via Beastclip draufschrauben. Jetzt hast du beides in einer Faust-grossen Kamera.

Klingt geil. Ist es auch. Für die Richtigen.

Wer ihn NICHT kaufen sollte

Wenn du Reels für Instagram drehst, bei dir zu Hause, vor dem Laptop sprechend: vergiss ihn. Dein iPhone macht das besser. Selfie-Cam, Front-Display, Apple Log und ProRes auf jedem aktuellen Flagship. Du brauchst kein extra Device.

Wenn du Tutorial-Videos drehst, also Bildschirmaufnahmen mit Talking-Head-Inserts: vergiss ihn auch. Dein iPhone plus Stativ plus ein anständiges Lavalier-Mic macht den Job. Der Pocket ist da Overkill, und du musst zusätzliche Hardware mitschleppen.

Wenn du gerade erst anfängst und unter tausend Follower hast: bitte, kein Gear-Upgrade. Du brauchst Content, nicht Equipment. Ich seh das jeden Tag bei ContentWerk-Mitgliedern. Die mit dem fanciest Setup haben nicht die meisten Views.

Wann der Pocket 4P sich lohnt

Drei Use-Cases sehe ich klar.

Travel-Content und Vlogs unterwegs. Du läufst, du filmst, kein Setup-Theater. Pocket in die Tasche, raus, läuft. Die Stabilisierung ist Hardware-basiert. Kein Akku-fressender Software-Algorithmus.

B-Roll für Kunden-Projekte. Wenn du Videoproduktion machst, ist der Pocket 4P ein zweites Auge. Du drehst Haupt-Shots mit der grossen Kamera. Der Kunde redet weiter. Du holst den Pocket raus und nebenbei Detail-Shots. 3-fach-Tele heisst: du kommst an Sachen ran ohne dass es jemand merkt. Das ist Gold bei Doku-Style.

Action-Aufnahmen bei denen das iPhone scheitert. Workshop, Event, Schulung. Du läufst durch den Raum, drehst über Schultern, hältst es mit einer Hand. Das iPhone wird unhandlich. Der Pocket nicht.

Was du wirklich zahlst

Das ist der Punkt den niemand sagt. Der Pocket 4P kostet in Europa schätzungsweise 800 bis 900 Euro. Der Pocket 4 war bei 729 Euro. Plus Microphone-Adapter wenn du externes Audio willst. Plus eine schnelle SD-Karte. Plus einen zweiten Akku, weil ein Akku reicht nicht.

Du bist schnell bei 1.100 Euro all-in.

Für 1.100 Euro kriegst du auch ein iPhone-Setup auf Pro-Level. Beispiel: gebrauchtes iPhone 16 Pro, DJI Osmo Mobile 8P Gimbal für 159 Euro (auch letzte Woche gelauncht), gutes Lavalier-Mic, mobile LED. Komplett andere Bewegungsfreiheit. Mehr Tools. Alles im Apple-Ecosystem-Workflow.

Die Frage ist nicht "iPhone oder Pocket". Die Frage ist: "Mehr iPhone-Ausbau oder zusätzliches Device?"

Cannes-Launch ist kein Zufall

Eines noch. DJI hat den Pocket 4P bewusst am Cannes Film Festival gelauncht, nicht auf der NAB oder der IBC. Das ist ein Statement. Sie positionieren das Ding für Filmmakers, nicht für TikToker. Cinema-Festival-Aesthetik, Cannes-Crowd, gehobener Anspruch.

Wenn du in dieser Ecke spielst, schaust du dir das an. Wenn nicht, chill.

Mein Take für ContentWerk-Solopreneurs

Wenn du selbstständig bist und dein Hauptdrehbedarf ist Talking-Head, Tutorial und Reels: bleib beim iPhone. Investier die 1.100 Euro in einen besseren Editor-Workflow, ein vernünftiges Schreibtisch-Setup, oder ehrlich gesagt: in Werbung. Bringt mehr ROI als jedes Gear.

Wenn du Travel filmst, Events covers, Kundenprojekte mit B-Roll-Bedarf hast oder mehrere Setups parallel laufen müssen: der Pocket 4P macht Sinn. Aber als Zweit-Kamera, nicht als Ersatz.

Das hier ist das Muster das ich seit zehn Jahren sehe. Neue Hardware-Launches triggern bei Solos einen Reflex: "Ich brauch das auch." Meistens stimmt es nicht. Frag dich vorher konkret welches Problem du löst. Wenn du keines benennen kannst, brauchst du das Gear nicht.

Falls du gerade entscheidest welches Gear-Upgrade sich für dich wirklich lohnt, kommt rüber zur ContentWerk Community. Da diskutieren wir Setups nach Use-Case statt nach Hype. Solos die Content selbst produzieren, untereinander.

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