Custom GPTs werden abgeschaltet: So ziehst du zum Plugin um
OpenAI stellt Custom GPTs ein, Nachfolger sind Plugins. Was beim Umzug mitkommt, was verloren geht und was du als Creator jetzt sichern solltest.
Du hast irgendwann einen eigenen GPT gebaut? Für Angebotstexte, für Captions in deinem Ton oder als Gratis-Tool für deine Newsletter-Liste? Dann hat dieser GPT jetzt ein Ablaufdatum.
Am 11. September hat OpenAI in den ChatGPT-Release-Notes angekündigt, Custom GPTs in allen Plänen einzustellen. Der Nachfolger heißt Plugin und kombiniert wiederverwendbare Anweisungen mit verbundenen Apps. Klingt nach einem Update. Ist aber ein Umzug, und bei jedem Umzug bleibt etwas im alten Keller stehen.
Hier bekommst du die Checkliste dafür: was mitkommt, was auf der Strecke bleibt, was du heute sicherst und was mit öffentlich geteilten GPT-Links passiert.
Der 11. Dezember ist der Stichtag, mit Vorbehalt
Erst das, was schon gilt. In privaten Konten, also Free, Go, Plus und Pro, kannst du keine neuen GPTs mehr erstellen oder veröffentlichen. Bestehende GPTs laufen weiter, und mit passendem Abo kannst du sie auch noch bearbeiten.
Laut OpenAI-FAQ betrifft die Umstellung alle ChatGPT-Pläne, und die Abschaltung ist für den 11. Dezember 2026 geplant. Abweichende Termine kündigt OpenAI per Hinweis im jeweiligen Konto an, und der geht vor. Der Zeitplan im Überblick:
- Ab 26. Oktober 2026 (geplant) lassen sich in betroffenen Enterprise-Workspaces keine neuen GPTs mehr anlegen.
- Am 11. Dezember 2026 werden Custom GPTs samt ihrer GPT-Seiten unzugänglich.
- Enterprise-Workspaces mit genehmigtem Aufschub haben bis 11. Februar 2027 Zeit.
- Alle Termine stehen laut OpenAI unter Vorbehalt.
Und Free, Go, Plus, Pro? Die fallen unter „alle Pläne", der 11. Dezember gilt also auch dort. Die Verlängerung bis Februar gibt es nur für Enterprise. Maßgeblich bleibt trotzdem der Hinweis, der in deinem Konto auftaucht.
Mein Take: Plan mit dem 11. Dezember. Wird es später, umso besser. Wird es nicht später, sitzt du nicht zwischen Jahresabschluss und Weihnachtsgeschäft und baust hektisch deine Tools nach.
Was beim Umzug mitkommt
Die Umzugsfunktion rollt OpenAI schrittweise aus, nicht jedes Konto bekommt sie am selben Tag. Sobald sie bei dir da ist, findest du sie unter „Meine GPTs" beim jeweiligen GPT (im englischen Hilfeartikel heißt der Punkt „Migrate to plugin"). Laut dem offiziellen FAQ passiert dann das:
- Die Anweisungen deines GPTs werden zu einem Skill im neuen Plugin.
- Deine Knowledge-Dateien werden als Referenzdateien ins Plugin kopiert.
- Verbundene Apps wandern als Apps ins Plugin.
- Umgezogen wird nur die zuletzt veröffentlichte Version, Entwürfe und unveröffentlichte Änderungen bleiben draußen.
Veröffentlichen heißt dabei nicht, dass der GPT öffentlich sein muss. Wichtig ist nur, dass deine letzte Fassung wirklich gespeichert und veröffentlicht ist.
Achtung bei privaten Konten: Neue GPTs lassen sich dort nicht mehr veröffentlichen, und Bearbeiten geht nur mit passendem Abo. Ein GPT, der nie veröffentlicht wurde, hat also keine Version, die umziehen kann. Seine Anweisungen und Dateien sicherst du auf jeden Fall per Hand (Schritt 2 und 3 weiter unten).
Wie ein Plugin grundsätzlich aufgebaut ist, hab ich in Agent Plugins 1.0: KI-Workflow einmal bauen erklärt. Kurz gesagt: ein Paket aus Skills und Apps, kein GPT mit neuem Namensschild.
Ein Detail steht nur im Kleingedruckten. Selbst anlegen lassen sich Plugins laut OpenAI-Hilfe derzeit in Business- und Enterprise-Workspaces, eigene Skills zusätzlich in Healthcare und Edu. Wie das Weiterbearbeiten eines umgezogenen Plugins in privaten Plus- und Pro-Konten genau aussieht, beschreibt die Hilfe noch nicht im Detail.
Was auf der Strecke bleibt
Diese Liste solltest du kennen, bevor du auf den Knopf drückst:
- Custom Actions. Wenn dein GPT per Action mit einem anderen Dienst redet (dein CRM, dein Buchungstool, eine eigene Schnittstelle), zieht das nicht mit. Ersatz ist eine vorhandene App oder ein eigener MCP-Server, und der braucht technisches Setup.
- Deine bisherigen Chats. Die bleiben beim alten GPT.
- Das gewählte Modell. Das Plugin übernimmt es nicht.
- Die Freigaben. Wer deinen GPT verwenden durfte, bekommt nicht automatisch Zugriff aufs Plugin.
- Das Bearbeiten. Nach dem Umzug ist der alte GPT schreibgeschützt, und du kannst ihn als Ersteller nicht mehr löschen.
- Gesprächsstarter. Dazu schweigt das FAQ. Kopier sie dir raus, bevor du dich auf irgendwas verlässt.
Und OpenAI sagt selbst: Ein umgezogenes Plugin antwortet nicht zwingend so wie dein GPT. Deshalb der nächste Abschnitt.
Schritt für Schritt: Das sicherst du, bevor du umziehst
- Mach eine Liste. Welche GPTs hast du selbst gebaut, welche von anderen verwendest du regelmäßig? Fremde GPTs darfst du nicht migrieren, da wartest du auf den Ersteller.
- Kopier die Anweisungen in eine eigene Datei. Nicht in ChatGPT liegen lassen, sondern in ein Dokument, das dir gehört. So ein Dokument ist auch die perfekte Basis für einen Master-Prompt, den du in jedes KI-Tool mitnimmst.
- Leg die Knowledge-Dateien in einen eigenen Ordner. Die Originale, in der aktuellen Version, mit sprechenden Dateinamen.
- Dokumentier jede Action. Welcher Dienst, wofür, welche Anmeldung, dazu die Action-Definition aus dem Editor als Text. Genau das braucht später jemand, der dir den MCP-Server baut.
- Sichere Gesprächsstarter und drei, vier Test-Prompts. Dazu die Antworten, mit denen du zufrieden warst. OpenAI rät selbst, bekannte Prompts plus mindestens einen kniffligeren Fall als Vergleich zu verwenden.
- Mach letzte Änderungen fertig und veröffentliche sie. Nur diese Version zieht um, danach ist der GPT eingefroren. In privaten Konten brauchst du fürs Bearbeiten ein passendes Abo.
- Teste das Plugin, bevor du irgendwem einen Link schickst. OpenAIs eigene Checkliste: Wählt es den richtigen Skill? Greift es auf die Referenzdateien zu? Stimmt das Format? Laufen die Tools?
Zu Punkt 7 noch ein Hinweis. Das Plugin startet privat und wird nicht automatisch installiert. Aufrufen kannst du es per @-Erwähnung oder über das Plus-Menü. ChatGPT greift auch von selbst auf einen Skill zu, wenn die Beschreibung zur Anfrage passt, aber eben nicht bei jeder Anfrage. Eine klare Beschreibung ist also kein Schönheitsdetail.
Dein GPT ist ein Lead-Magnet? Dann trifft es dich am härtesten
Viele Coaches und Creator haben GPTs öffentlich geteilt: als Gratis-Tool gegen die E-Mail-Adresse, als Kursbonus, als Link in der Bio. Genau diese Strecke bricht.
Der Umzug überträgt laut FAQ keine Freigabe-Einstellungen. Das neue Plugin startet privat, und öffentlich wird es erst über einen eigenen Einreichungsprozess für Plugins. Zugriff auf deinen öffentlichen GPT heißt nicht Zugriff auf den Ersatz. Wer das Plugin verwenden will, braucht außerdem ein Konto, in dem Plugins überhaupt verfügbar sind, und das hängt laut OpenAI von Plan, Region und Workspace ab.
Am Stichtag werden GPT und GPT-Seite unzugänglich. Jeder Link, den du verteilt hast, läuft dann ins Leere.
Such deshalb jetzt alle Stellen zusammen, an denen dein GPT-Link steht:
- Willkommens-Mail und Newsletter-Automationen
- Landingpage und Danke-Seite
- Link in Bio
- PDFs, Workbooks und Kursmodule
- Beschreibungen unter deinen YouTube-Videos
- angepinnte Beiträge in deiner Community
Mein Rat: Verlink ab jetzt nie wieder direkt auf chatgpt.com. Setz eine eigene Adresse dazwischen, etwa deinedomain.at/tool, die auf das Tool weiterleitet. Beim nächsten Plattformwechsel tauschst du dann ein Ziel aus, nicht vierzig Links.
Die Alternativen: Gemini Gems, Claude Projekte und Skills
Du musst nicht bei OpenAI bleiben. Drei Optionen, kurz eingeordnet.
Gemini Gems kommen dem alten GPT-Link am nächsten. Ein Gem hat Anweisungen und Wissensdateien. Mit einem privaten Google-Konto kannst du es laut Google-Hilfe auf „Jeder, der über den Link verfügt" oder sogar „Öffentlich" stellen, ohne dass sich jemand mit einem Google-Konto anmelden muss. Der Haken: Alle mit Zugriff sehen deine Anweisungen und hochgeladenen Dateien. Dein sorgfältig gebauter Prompt liegt offen.
Claude Projekte sind ein starker Arbeitsplatz für dich selbst: eigene Anweisungen, eigene Wissensbasis, eigene Chats. Laut Anthropic gibt es sie für alle, im Gratis-Konto bis zu fünf Stück. Teilen lassen sie sich aber nur in Team- und Enterprise-Plänen, innerhalb der Organisation. Als öffentlicher Lead-Magnet fällt das weg.
Claude Skills sind Ordner mit Anweisungen, Skripten und Ressourcen, die Claude bei passender Aufgabe selbst lädt. Verfügbar in Free, Pro, Max, Team und Enterprise, die Code-Ausführung muss eingeschaltet sein. Das Spannende: Anthropic hat das Skill-Format als offenen Standard veröffentlicht. Was du einmal sauber als Skill beschreibst, klebt nicht an einem einzigen Tool.
Meine Einordnung: Für deine eigenen Workflows würde ich zu einem Claude-Projekt oder Skill greifen. Für ein öffentliches Gratis-Tool ist das Gem die naheliegendste Lösung, solange du damit leben kannst, dass jeder deinen Prompt lesen kann. Und wenn dein Publikum ohnehin in ChatGPT lebt, zieh aufs Plugin um und plan die Einreichung mit ein.
Mein Take: Lösch nichts, aber bau nie wieder nur auf einer Plattform
Aus Sicht eines Videografen ist das dieselbe Logik wie beim Rohmaterial: Was nur in einer fremden App liegt, gehört dir nicht wirklich. Warum ich bei OpenAI-Produkten grundsätzlich einen Plan B einbaue, hab ich schon beim Login mit ChatGPT erklärt. Die GPT-Abschaltung ist der nächste Beleg.
Dein erster Schritt dauert zwanzig Minuten: Öffne heute jeden GPT, den du gebaut hast, und kopier Anweisungen und Gesprächsstarter in ein eigenes Dokument. Der Rest kann warten, bis die Umzugsfunktion in deinem Konto auftaucht. Die Anweisungen nicht.
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