Claude Opus 5: Du bestimmst jetzt, wie viel es denkt
Claude Opus 5 ist seit 24. Juli da. Halber Fable-5-Preis, dazu drei Denk-Stufen pro Anfrage. Was low, medium und high praktisch bringen.
Alle starren auf die Benchmark-Tabelle. Das ist der langweiligste Teil an der ganzen Sache.
Anthropic hat am 24. Juli Claude Opus 5 veröffentlicht. Die spannendste Änderung steht in keinem Chart: du stellst ab sofort selbst ein, wie lange das Modell nachdenkt, bevor es antwortet. Drei Stufen. Pro Anfrage.
Klingt nach einem Detail für Entwickler. Ist es nicht.
Nach diesem Artikel weißt du, welche Stufe zu welcher Arbeit passt und an welcher Stelle du seit Monaten Zeit und Geld verbrennst, ohne es zu merken.
Was am 24. Juli tatsächlich passiert ist
Opus 5 ist das neue Standard-Modell auf Claude Max und das stärkste, das du auf Pro bekommst. Wer eines der beiden Abos hat, arbeitet seit Freitag damit. Ohne etwas umzustellen. Ohne Ankündigung im Interface.
Die harten Eckdaten:
- 5 Dollar pro Million Input-Tokens, 25 Dollar pro Million Output-Tokens
- Damit exakt der halbe Preis von Fable 5, das bei 10 und 50 Dollar liegt
- Gleicher Preis wie der Vorgänger Opus 4.8, für ein spürbar besseres Modell
- Kontextfenster von einer Million Tokens
- Ein Fast-Mode mit rund 2,5-facher Geschwindigkeit, der das Doppelte kostet
Die Kurzfassung: mehr Leistung, kein Aufpreis. Das ist selten genug, um es zu erwähnen. Aber es ist nicht der Grund, warum ich diesen Artikel schreibe.
Der Regler ist die eigentliche Neuigkeit
Bisher war die Sache simpel und dumm zugleich: du schickst eine Anfrage, das Modell denkt so lange nach, wie es für richtig hält. Bei "formuliere diesen Satz um" genauso gründlich wie bei "baue mir eine Content-Strategie für ein Quartal".
Jetzt gibt es drei Stufen: low, medium, high.
Low ist schnell und billig. Das Modell zieht durch, ohne lange zu grübeln. Medium ist der Mittelweg. High lässt es richtig arbeiten, deutlich länger, mit entsprechend mehr verbrauchten Tokens.
Wo du den Regler findest, hängt davon ab, wie du arbeitest:
- In der API ist es schlicht ein Parameter, den du mitschickst.
- In Claude Code stellst du ihn pro Session ein.
- In der normalen Chat-App merkst du vor allem, dass Opus 5 auf Max jetzt Standard ist.
Klingt technisch. Der praktische Effekt ist es nicht.
Meine Zuordnung nach zwei Tagen Testen
Ich hab das Ding seit Freitag im echten Betrieb, nicht in Testszenarien. Content-Ops für ContentWerk, Transkripte, Kundenmails, Blog-Rohfassungen. Das hier hat sich rauskristallisiert:
Low reicht für:
- Transkripte säubern, Füllwörter raus, Absätze setzen
- Dateien umbenennen, Listen sortieren, Tabellen umbauen
- Kurze Antworten auf Kundenanfragen, wo der Inhalt schon feststeht
- Untertitel-Korrekturen nach der automatischen Erkennung
High brauchst du für:
- Struktur für längere Texte, wo die Reihenfolge über die Wirkung entscheidet
- Alles, wo das Modell mehrere Schritte hintereinander selbst planen muss
- Fehlersuche, wenn ein Automatisierungs-Skript etwas macht, das keiner erwartet hat
Medium ist ehrlich gesagt mein Default, weil ich zu faul bin, ständig umzuschalten. Das ist okay. Der Punkt ist nicht, jede Anfrage zu optimieren. Der Punkt ist, die beiden Extreme bewusst zu nutzen.
Beim ersten Versuch hab ich einen ganzen Batch Transkripte auf high laufen lassen. Fünf Stück, jedes rund 40 Minuten Rohmaterial. Das Ergebnis war nicht besser als auf low. Nur langsamer und teurer. Genau das ist der Fehler, den jetzt vermutlich ein paar tausend Leute machen werden.
Was das mit deinen Kosten macht
Wenn du ein Pro- oder Max-Abo hast, zahlst du nicht pro Token. Du hast Nutzungsgrenzen. Der Regler entscheidet dort trotzdem mit, nämlich darüber, wie schnell du an dein Limit stößt.
Wer über die API abrechnet, sieht den Effekt direkt auf der Rechnung. Und da wird es interessant für alle Selbstständigen im DACH-Raum, die kleine Automatisierungen laufen haben: ein Skript, das täglich Transkripte verarbeitet oder Social-Posts vorformuliert, läuft in neun von zehn Fällen auf low genauso gut. Bei zehnfachem Volumen ist das der Unterschied zwischen einem Kaffee und einem Abendessen pro Monat.
Kleiner Realitäts-Check: Anthropic rechnet in Dollar ab. Wechselkurs und Umsatzsteuer kommen bei österreichischen und deutschen Einzelunternehmen noch obendrauf.
Die Zahlen kommen vom Hersteller
Jetzt der Teil, den die meisten Artikel weglassen.
Die veröffentlichten Werte sehen beeindruckend aus. Bei Frontier-Bench, einem Test für schrittweises Arbeiten, kommt Opus 5 auf 43,3 Prozent, Fable 5 auf 33,7. Bei ARC-AGI-3, wo es um völlig neue Problemtypen geht, sind es 30,2 Prozent gegen 1,5 beim Vorgänger Opus 4.8. Das ist keine Verbesserung, das ist ein Sprung.
Nur: diese Zahlen kommen vom Hersteller selbst. Unabhängig nachgeprüft ist da noch nichts.
Ich sag das nicht, um das Modell schlechtzureden. Ich merke den Unterschied im Alltag durchaus. Ich sag es, weil ich in zehn Jahren Videoproduktion genug Hersteller-Charts gesehen hab, die im echten Einsatz plötzlich anders aussahen. Nimm die Prozentzahlen als Richtung, nicht als Versprechen.
Was du diese Woche machen solltest
Drei Dinge, keine Stunde Aufwand:
- Schau nach, welches Modell in deinem Abo gerade läuft. Wenn du auf Max bist, arbeitest du seit Freitag mit Opus 5, egal ob du es wolltest oder nicht.
- Nimm deine langweiligste wiederkehrende Aufgabe, die du an die KI abgibst, und lass sie einmal auf low laufen. Vergleich das Ergebnis ehrlich mit dem, was du sonst bekommst.
- Wenn du automatisierte Abläufe über die API hast: prüf, welche davon auf low umziehen können. Das ist der schnellste Hebel, den es gerade gibt.
Was ich nicht empfehle: alles stehen und liegen lassen und die halbe Woche mit Umbauen verbringen. Ein neues Modell macht deinen Content nicht besser. Es macht ihn nur schneller fertig. Der Unterschied ist größer, als er klingt.
Der eigentliche Gewinn steckt in der Gewohnheit dahinter. Nicht jede Aufgabe verdient volle Denkleistung. Die meisten brauchen sie nicht mal.
Falls du dich mit anderen Selbstständigen austauschen willst, die ihre Content-Produktion ohne Agentur stemmen: das passiert bei uns in der ContentWerk Community.
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