Canon R8 Mark II: Lohnt das Upgrade von der R8 für Video?

Die Canon R8 Mark II filmt fast dieselben Videowerte wie die R8, bringt aber endlich einen Stabilisator. Für wen sich der Umstieg lohnt und wer warten sollte.

Canon R8 Mark II Upgrade für Video: spiegellose Kamera mit Stabilisator-Ringen als 3D-Grafik
Für Video steht fast dasselbe im Datenblatt. Der Unterschied ist der Stabilisator.

Die Canon R8 filmt seit 2023 in 4K mit 60 Bildern pro Sekunde, heruntergerechnet aus 6K, in 10 Bit mit Canon Log 3. Schau dir das Video-Datenblatt der neuen R8 Mark II an und du findest: genau das. Dieselben Zahlen.

Trotzdem ist sie für viele Creator ein größeres Upgrade, als das Papier vermuten lässt.

Canon hat die R8 Mark II Mitte September vorgestellt, seit dem 16. September ist sie bei österreichischen Händlern gelistet. Ich filme seit rund zehn Jahren Hochzeiten und Firmenvideos, und bei jeder neuen Kamera stelle ich mir dieselbe Frage: Ändert sich etwas an dem Material, das ich am Ende abgebe? Genau danach sortiere ich die Mark II hier. Danach weißt du, ob du deine R8 behältst, umsteigst oder bis Ende Oktober wartest.

Für Video steht fast dasselbe im Datenblatt

Fangen wir mit dem an, was bleibt. Das erspart dir den Frust nach dem Kauf.

  • 4K bis 60p ohne Crop, überabgetastet aus 6K. Konnte schon die R8.
  • Full HD mit bis zu 180 Bildern pro Sekunde, auf einer 24p-Timeline also 7,5-fache Zeitlupe. Auch das hatte die R8.
  • Canon Log 3 in 10 Bit 4:2:2 intern, dazu HDR PQ.
  • Wieder 24,2 Megapixel Vollformat, ein einzelner SD-Slot (UHS-II) und derselbe Akku, der LP-E17.

Übersetzt: Wer die R8 vor allem auf dem Stativ betreibt, für Talking Heads, Podcasts oder Interviews mit gesetztem Licht, bekommt mit der Mark II kein schöneres Bild. Das ist der wichtigste Satz für alle, die gerade den Bestellknopf suchen.

Der Stabilisator ist das eigentliche Upgrade

Der R8 fehlte ein Stabilisator im Gehäuse, Canon hatte ihn weggelassen, damit die Kamera klein und leicht bleibt. Ruhige Handaufnahmen hingen damit vor allem am Objektiv.

Die Mark II bekommt jetzt einen 5-Achsen-Sensor-Stabilisator. Canon gibt bis zu 7,5 Blendenstufen in der Bildmitte an und 7 am Rand. Bei Objektiven mit eigenem Stabilisator arbeiten beide laut Canon zusammen, eine eigene Steuerung soll speziell bei Weitwinkeln die Unschärfe an den Bildrändern reduzieren. Dazu kommt ein digitaler Movie-IS für Handaufnahmen, der wie jeder digitale Stabilisator etwas vom Bildrand abschneidet.

Was das beim Dreh heißt, ist meine Einordnung als Videograf:

  • Handheld-B-Roll wird deutlich entspannter. Langsame Schwenks, Detailshots, Cutaways auf einer Hochzeit oder einem Firmenevent, dafür brauchst du in vielen Fällen kein Stativ und kein stabilisiertes Objektiv mehr.
  • Festbrennweiten ohne eigenen Stabilisator werden aus der Hand brauchbar. Das RF 16mm f/2.8 und das RF 28mm f/2.8 haben keinen, bisher hieß das bei Video: Stativ oder Gimbal.
  • Walk-and-Talk wird ruhiger, aber nicht gimbalglatt. Ein Sensor-Stabilisator glättet Zittern, keine Schritte. Wie du den Rest mit Technik abfängst, steht in meinem Artikel zu Kamerabewegungen ohne Gimbal, die meisten Moves lassen sich eins zu eins auf eine Systemkamera übertragen.

Eine Warnung zur großen Zahl: Die 7,5 Stufen sind ein Wert für Fotos mit langer Belichtungszeit. Gemessen hat Canon ihn nach CIPA-Standard mit dem stabilisierten RF 24-105mm F2.8 L IS USM Z im Zusammenspiel mit dem Gehäuse. Mit Objektiven ohne eigenen Stabilisator wie dem RF 16mm dürfte weniger herauskommen. Der erste große Test von DPReview liefert noch keine Messwerte dazu, wie ruhig das Video beim Gehen wirklich aussieht.

Gute Nachricht für schnelle Schwenks: Laut DPReview ist der Rolling Shutter wie schon bei der R8 sehr gut im Griff. Schiefe Linien siehst du nur bei den schnellsten Kamerabewegungen.

Die kleinen Dinge, die beim Solo-Dreh zählen

Neben dem Stabilisator hat Canon an einigen Stellen gedreht, die im Datenblatt klein aussehen und beim Alleindrehen nerven oder eben nicht mehr nerven.

  • Joystick auf der Rückseite. Die R8 hatte nur eine Vier-Wege-Wippe, jetzt schiebst du das Fokusfeld direkt, ohne Touchscreen.
  • Register People Priority: Du speicherst bis zu 10 Gesichter in der Kamera, bis zu 100 auf der Karte. Laufen andere durchs Bild, bleibt der Fokus bei der registrierten Person, also bei dir.
  • Eine eigene S&F-Position am Moduswahlrad für Zeitlupe und Zeitraffer.
  • Bis zu 6 Stunden pro Clip unter 100 Bildern pro Sekunde, ab 100 Bildern 2 Stunden. Abbrüche durch Hitze oder leeren Akku rechnet Canon dabei ausdrücklich heraus. Die R8 schaffte laut DPReview-Test zum Marktstart höchstens zwei Stunden, in 4K mit 60p nur 30 Minuten pro Clip. Für lange Podcast-Aufnahmen ein echter Unterschied, sofern Akku und Hitze mitspielen.

Nicht neu, aber weiter an Bord: Wie schon die R8 arbeitet die Mark II per USB-C als Webcam für Livestreams, kabelgebundenes Streaming nennt Canon per USB-C oder HDMI.

Das neue kantige Design lehnt sich an die EOS 650 von 1987 an. Geschmackssache, fürs Video egal.

Der Haken: derselbe kleine Akku

Canon hat den Stabilisator eingebaut, den Akku aber nicht vergrößert. Die Mark II läuft weiter mit dem LP-E17. Laut Canon reicht eine Ladung für etwa 40 Minuten 4K mit 60p, in Full HD mit 30p für rund zwei Stunden.

Wer zwei Stunden am Stück in 4K mit 50p aufnimmt, etwa ein Panel oder einen Podcast, braucht laut Canon-Wert drei Ladungen, also zwei Ersatzakkus in der Tasche. Die gute Nachricht für Umsteiger: Deine alten R8-Akkus passen. Ein LP-E17 kostet auf geizhals.at ab 44,90 Euro.

Über USB-C lässt sich die Kamera laut Canon laden und mit Strom versorgen, Canon nennt dafür seine Netzteile PD-E1 und PD-E2. Ob das mit deiner Powerbank bei einer langen Aufnahme sauber läuft, würde ich vor dem ersten Kundenjob selbst ausprobieren.

Der Stabilisator kostet Gewicht. Mit Akku und Karte wiegt die Mark II 546 Gramm, die R8 kam auf 461 Gramm. Wie warm sie bei langen 4K60-Takes wird, dazu liefert auch der DPReview-Test noch keine Messwerte.

Mein Setup-Vorschlag für Solo-Creator

Wenn ich heute ein Solo-Setup um die Mark II bauen würde, sähe es so aus (Preise laut geizhals.at, Stand 24. September 2026):

  • Body für 1.799 Euro. Das Kit mit dem RF 24-105mm f/4-7.1 IS STM steht bei 2.199 Euro. In den USA gibt es das Kit dagegen mit dem kleineren RF 24-50mm.
  • RF 16mm f/2.8 STM ab 278 Euro. 165 Gramm, kein eigener Stabilisator, genau das Objektiv, das am meisten vom Sensor-Stabilisator profitiert. Für Vlogs und Walk-and-Talk würde ich damit anfangen.
  • Alternativ als Allrounder das RF 24-50mm f/4.5-6.3 IS STM ab 342,75 Euro, mit eigenem Stabilisator und 210 Gramm.
  • Zwei Ersatzakkus LP-E17, zusammen rund 90 Euro.
  • Ein Funkmikro mit 3,5-mm-Ausgang für den Mikrofoneingang, dazu Kopfhörer am Kopfhörerausgang. Welcher Mikrofontyp für welchen Dreh passt, steht in meinem Mikrofon-Guide.
  • Optional der Zusatzgriff EG-E2 für rund 99 Euro, der das Akkufach laut Canon frei lässt.

Body, 16mm und zwei Akkus kommen zusammen auf knapp 2.170 Euro, das Mikro kommt dazu. Mehr brauchst du für den Start nicht.

Behalten, upgraden oder bis Ende Oktober warten?

In den USA kostet die Mark II 1.899 Dollar, mit RF 24-50mm 2.099 Dollar. Als Marktstart nennt Canon Ende Oktober, in Österreich ist sie bei mehreren Händlern vorbestellbar. Interessant: Die R8 startete 2023 mit genau demselben Listenpreis von 1.799 Euro. Heute bekommst du sie neu ab 1.348,99 Euro. Laut der Gerüchteseite Canon Rumors können zwei Händler den R8-Body seit Anfang August nicht mehr nachbestellen. Offiziell bestätigt hat Canon das nicht, und Canon Rumors betont selbst, dass Modelle je nach Region auslaufen. Wer eine neue R8 will, sollte trotzdem nicht ewig warten.

  • Du hast eine R8 und drehst vom Stativ: Behalten. Gleiches Bild, gleiche Farben, gleicher Akku.
  • Du hast eine R8 und drehst viel aus der Hand: Upgraden lohnt sich, Objektive und Akkus nimmst du mit. Rechne beim Verkauf der alten R8 aber mit weniger, als du dir erhoffst, wenn die neu schon um 1.349 Euro weggeht.
  • Du kaufst deine erste Vollformatkamera: Die rund 450 Euro Aufpreis zur R8 sind für den Stabilisator gut angelegt, sobald du mehr als Talking Heads drehst.

Blind vorbestellen würde ich nicht. Bis zur Auslieferung verlierst du nichts, wenn du die ersten Praxistests zu Hitze und zum Stabilisator beim Gehen abwartest.

Mein Take: Die R8 Mark II macht kein schöneres Videobild als die R8, aber du kannst sie endlich ruhig aus der Hand filmen. Für Stativ-Creator ist das egal, für alle, die unterwegs drehen, ist es der Grund zum Umsteigen. Wenn du dein Setup mit anderen Selbstständigen durchgehen willst, bevor du 1.800 Euro ausgibst, komm in die ContentWerk Community.

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